... und die academy of life

... Kommunikations-Coaching für Erfolg im Beruf - mit dem Wissen aus der Praxis erfolgreicher Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kunst/Kultur, Sport, Wissenschaft etc. 

Für Erfolge - in welchem Feld auch immer - sind passive aber vor allem auch aktive kommunikative Kompetenzen Voraussetzung. In unseren Coachings wird daher neben wissenschaftlich fundiertem Wissen über die vielen Facetten von Kommunikation vor allem auch das Know-how (das Wissen-wie) auf der Basis "echter" Praxiserfahrungen vermittelt.
 
Bernd Matouschek leitete von 1998 bis 2007 das Department für Kommunikation der Academy of life (powered by Siemens). Rund 500 High-Potentials und andere am Erfolg Interessierte hatten dabei die Möglichkeit die kommunikativen Erfolgsprinzipien erfolgreicher Persönlichkeiten aus aller Welt "am Menschen selbst" zu studieren und dieses Wissen in die eigene Berufs- und/oder Lebenspraxis zu integrieren.  Auf der Basis dieses Erfahrungsschatzes bieten wir Coachings und Trainings in nahezu allen Bereichen von Kommunikation im Beruf oder Alltag.

 

Das Praxiswissen zum kommunikativen Erfolg: "Wie haben Sie das eigentlich gemacht Frau / Herr ...":

Im Department für Kommunikation der Academy of Life sammelte sich u.a. Praxiswissen zu folgenden kommunikativen Kompetenzen erfolgreicher Manager, Künstler, Wissenschafter und Sportler:

  • Die Corporate Communication einen Konzerns mit Leben zu erfüllen, wie Andreas Hacker (österreichischer MC Donalds Topmanager)
  • Mit rhetorischer Brillanz zu überzeugen und zu beeindrucken, wie Helmut Schmidt (Ex- Bundeskanzler der BRD)
  • Die Selbstdarstellung zur Produktvermarktung nutzen, wie K.H Böhm (österreichischer Ex-Schaupieler und Entwicklungshelfer)
  • Vom Männerverhalten für (kommunikative) Frauenkarrierestrategien zu lernen, wie Harriet Rubin (amerikanische Sach-Buchautorin)
  • Mit den Augen „ergreifend“ zu kommunizieren, wie Andrea Jonasson (deutsch-italienische Schauspielerin)
  • Team-Führung als Dialog darzustellen wie Carl Djerassi und Anton Zeilinger (erfolgreiche Naturwissenschafter aus Österreich)
  • Mit sprachlichen Bildern Komplexes einfach und anschaulich machen, wie Maximillian Schell (österreichischer Schauspieler)
  • Mit Gestik dem Inhalt „Form“ und Bedeutung zu geben, wie Hugo Portisch (österreichischer TV-Moderator und  Zeitgeschichtler)
  • Mit Ironie andere zum Nachdenken zu animieren, wie Peter Ustinov (polyglotter Schauspieler)
  • Eine gute Story in eine spannende Form zu bringen, wie Donna Leon (amerikanisch-italienische Krimi-Autorin)
  • Durch Fragen zu gewinnen, durch Frageverweigerung zu verlieren, wie Elisabeth Noelle Neumann (deutsche Meinungsforscherin)
  • Einen Personality-„Brand“ kreieren und (be-)nutzen, wie Waris Dirie (somalisches Ex-Model und Buchautorin)
  • Mit Visionen Konzerne, Mitarbeiter und Kunden motivieren und führen, wie Ron Sommer (deutscher Top-Manager)
  • Bewußt ethisch kommunizieren, wie Hans Küng (Theologe)
  • Mit allen Sinnen und Mitteln zu kommunizieren, wie Herman Nitsch (Künstler)
  • Das Tier in unserer Kommunikation verstehen, wie Jane Goodall (Amerikanische Biologin, „Affenmutter“)
  • Werke für sich sprechen zu lassen, wie Hans Hollein (österreichischer Architektenstar)
  • Provokation als Mittel für Aufmerksamkeit zu nutzen, wie Hans-Hermann Hoppe (deutsch-amerikanischer Eigentums-Soziologe)
  • Durch sprachliche Details imaginäre Eindrücke entstehen zu lassen, wie Frederic Morton (österreichisch-amerikanischer Literat)
  • Mit Sprech- und Atem-Technik den richtigen Ton zu treffen, wie Edita Gruberova (slowakisch-österreichische Operndiva)
  • Mit Körpersprache den Gegner bezwingbar zu machen, wie Thomas Muster (Österreichs Tennisweltstar)
  • Komplexe Teams kontrolliert aber eigenverantwortlich kommunizieren zu lassen, wie Raimund Margreiter (Tiroler Top-Transplantationsmediziner)
  • Mit Menschenmassen zu kommunizieren, sie zu erreichen und zu bewegen wie Herbert Grönemeyer (Deutscher Popsuperstar)
  • Die eigene Körpersprache als Erfolgsfaktor zu nutzen, wie Richard Dreyfuss (Hollywood Schauspieler)
  • Eine „Ich-Marke“ zu werden und (sich) zu vermarkten, wie Erika Pluhar? (Schauspielerin, Sängerin, Autorin)
  • „Diplomatisch“ zu verhandeln, wie John Kornblum (US Karrierediplomat)

 

Nachlese zu den Ergebnissen der Einzelveranstaltungen:

Die vollständige Sammlung der chronologisch geordneten Ergebnisse der bisherigen Seminare des Departments für Kommunikation finden Sie nachfolgend (für die Ergebnisse aller anderen Departments vgl. auch die Dokumentation unter www.academyoflife.at):

 John Kornblum - Amerikanischer Karrierediplomat - Diplomatisch verhandeln - Nicht freundschaftlich, aber zielorientiert bis zum Verhandlungs-Erfolg:

John Kornblum ist, das kann mit Fug und Recht sagen, ein amerikanischer Karrierediplomat wie man sich das dem besten Klischee nach so vorstellt. Als 21jähriger in die Diplomatie gekommen ging er Schritt für Schritt die Diplomatenkarriereleiter nach oben: vom Vizekonsul in Hamburg zum Leiter der Abteilung für zentraleuropäische Angelegenheiten im State Department, über den Stv. Vertreter der NATO in Brüssel. Wenig später schon leitete er als Botschafter der USA bei der KSZE die Helsinki Folgekonferenz (1992). Als Stellvertreter von Richard Holbrooke wirkt er in der Regierungszeit Bill Clintons um 1995 dann auch maßgeblich am Dayton-Abkommen an der versuchten Beendigung des Bosnienkrieges mit. 2001 beendet er am Höhepunkt seiner Karriere – jetzt als Botschafter der USA in Deutschland – seine diplomatische Laufbahn. 2001 wechselt er – für einen Diplomaten in eher ungewöhnlicher Weise – in die Wirtschaft und ist seither Deutschlandchef der Investment-Bank Lazard. Hier versteht er sich als „Öffenlichkeitsarbeiter und einer der obersten Repräsentanten, das Wort Lobbyist hört er nicht so gern. In nahezu all seinen Berufs-Stationen standen heikle und schwierige „politische“ Verhandlungen im Mittelpunkt seines Tuns: sei dies – in Zeiten des Kalten Krieges – in seiner Mitwirkung am Viermächteabkommen (1970-72), beim Austausch von amerikanische Spionen mit DDR-Spionen 1985 in Berlin, bei der Helsinki-Folgekonferenz 1991 oder dem Daytonabkommen 1995. Was uns an John Kornblums Erfahrung daher besonders interessiert, ist, was sicher zum wichtigsten Werkzeug der Diplomatie gehört, die Kunst des Verhandelns; denn vom Assistenten, über den Verhandlungsleiter bis zum Delegationsleiter war Kornbum in allen Stationen seiner Berufslaufbahn in vielen verschiedenen Rollen und Funktionen als Verhandler aktiv. Auf seine Einschätzung zum Unterschied zwischen komplexen, plurilateralen diplomatischen Verhandlungen und Wirtschaftsverhandlungen angesprochen, sagt er: da gäbe es eigentlich keinen. Wichtig sei für beide, dass man in der Materie sattelfest ist und gut vorbereitet, dass man die Psychologie seines Gegenübers verstehe und Nerven bewahre bzw. Sitzfleisch habe. Und dabei „diplomatisch“ bleibt, könnten wir nach den bei beiden Interviewrunden zu John Kornblums gewonnenen Eindrücken hinzufügen; d.h. nur ja nicht all zu viel von sich selbst und seinen Positionen preisgeben, vordergründig offen, freundlich und freundschaftlich sein und vor allem das Gegenüber reden oder fragen lassen, anstatt selbst zu reden. Und sich dabei nicht allzu tief in die Karten sehen lassen. Was wir bei dieser Academy also erfahren ist, in aller Kürze gesagt, relativ wenig zur Person von John Kornblum; über einen Umweg dafür umso mehr zur „diplomatischen Art“ – hier im Interview-Gespräch: z.B. das „Ruhig bleiben bzw. die Ruhe bewahren“, „Andere beobachten“, „das Gegenüber Erkennen“, „Zuhören statt Sprechen“, „die reservierte Rhetorik“ und „offen aber still“ zu sein. Was eine prinzipielle Wesenseigenschaft der Diplomatie zu sein scheint, ist ganz sicher ein Erfolgsprinzip (unter vielen) des „kontrollierten“ Verhandelns. In Kombination mit der Gestaltung unseres Nachmittagsworkshops, in dem wir ein Rollenspiel einer plurilateralen Verhandlung durchspielen, und uns zuvor noch detailliert mit theoretischen und praktischen Aspekten der erfolgreichen Verhandlungsführung auseinandersetzen, sind die Gespräche mit John Kornblum zuletzt dann ein echter Gewinn. Das Ganze in einem Satz zusammengefasst: diplomatisch zu verhandeln heißt, - wie auch unsere Speiverlauf zeigt - gute Vorbereitung, nicht zu viel von vornherein preisgeben, zuhören, Alternativen einbringen, kompromissbereit ´erscheinen´, nicht persönlich werden, Ausdauer haben, die Rolle, Funktion und Person der Verhandlungspartner richtig einzuschätzen und das „Hinterland“ richtig zu bewerten und! dann mit allen anderen sinnvollen Verhandlungsmitteln zu einem – geplanten – Ergebnis zu kommen, und sei es mittels Druck oder auch durch dafür notwendige Vertagung. Gewisse Dinge brauchen eben Zeit! Man könnte das zentrale Erfolgsprinzip der Diplomatie somit auch darin verstehen, das sie die mit klugem Kalkül und Geschick ins Bild gesetzte Kunst des Machbaren ist. Diese Kunst kann man lernen; und hier können wir John Kornblum nur Recht geben: ob in der Diplomatie oder in der Wirtschaft; in diesem Wortsinn „diplomatisch“ zu verhandeln ist immer sinnvoll und zumeist zielführend.

Erika Pluhar - frühere Burg-Schauspielerin, Sängerin, Buchautorin - Die „Marke Pluhar“ – man muss Marketing nicht mögen, aber Erfolg wird so gemacht:
Die Prominenz der nun 68-jährigen Künstlerin Erika Pluhar in Österreich ist auch 20 Jahre nach ihrem Abgang von der Bühne des Burgtheaters augenscheinlich: Die Abend-Gala der Academy of life ist diesmal bis zum letzten Platz besetzt, .und das Publikum verleiht auch durch die Anwesenheit zahlreicher honoriger Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft der Prominenz Erika Pluhars zusätzlichen Glanz und Bedeutung (lat. prominens: hervorragend, bedeutend).
Da der konkrete Anlass der Einladung von Erika Pluhar an die AOL ihr Lebenswerk ist, und nicht das letzte veröffentlichte Buch, nicht der letzte Auftritt als Sängerin (oder Schauspielerin), ist eines ebenso klar: es ist in erster Linie ihre Person, ihre Persönlichkeit, weshalb die Menschen zu ihr strömen, um ihr zuzuhören, wie sie das – ihr Leben – „eigentlich gemacht hat“; ganz getreu unserem Academy of life-Motto.
Weil also nicht so sehr – oder nicht allein – die Leistungen der Künstlerin im Mittelpunkt des Interesses dieses Publikums stehen, sondern das, was die Menschen am Menschen Erika Pluhar, an der Frau Erika Pluhar, auch darüber hinaus bewundern, dem Image also, das sie bei den Anwesenden hat, beschließen wir im Department für Kommunikation uns diesem Phänomen mit den Denk-Schablonen des Marketingwissens anzunähern. Wir wollen ergründen, was „die Pluhar“ für das Publikum ist, was sie für dieses „besonders“ und „einzigartig“ und „bewundernswert“ macht und wie so ein Image entsteht, oder gemacht wird; Das ist – im Marketingjargon gesagt – die Frage nach der „Marke Pluhar“ und für uns die Frage, was wir vom Wissen um das Wesen dieser „Marke Pluhar“ für unser Handeln und Streben nach Erfolg lernen können.
Rezente PR-Theorien sprechen heute davon, dass wir längst nicht mehr in einer Leistungsgesellschaft leben, sondern vielmehr in einer Erfolgsgesellschaft, in der die Einordnung in soziale Ränge – und die mediale Berichterstattung darüber – immer weniger über Leistung und vielmehr über die öffentliche Vermittlung von Erfolg und Image verläuft.
 „Vorzeigbare Leistungen sind nur dann relevant, wenn sie [auch] das Potential zu Prominenz haben.“(vgl. S.39 in Behrent/Mentner (2001): Campaigning. Lit Verlag). Ein besonderes Image ist heute also das unumgängliche Sahnehäubchen, um mit seiner Leistung auch erfolgreich zu sein, so für die (mediale) Öffentlichkeit (news)relevant und prominent zu werden und (erst) dadurch als besonders, herausragend und „einzigartig“ wahrgenommen zu werden.
Moderne Ratgeber folgen diesem (notwendigen) Trend zur VerMARKtung seiner selbst zur„Ich-Marke“ bzw. zum „Personality Brand Building“ und versuchen dieses Phänomen als Best Practice-Fibeln für jedermann begreifbar und nutzbar zu machen. Für Manfred Greisinger beispielsweise kommt es in seinem Buch „Ihr ICH als unverwechselbare Marke“ (6.Aufl. 2006, Verlag Stoareich) zentral darauf an, das der Einzelne seine unmittelbaren Fach-Fähigkeiten und Sach-Kompetenzen in seinem Tätigkeitsfeld um Imagefaktoren erweitert, die den einzelnen – erst dann! – zu einem Unikat im Heer der Massen an MitbewerberInnen im selben Markt machen. Erst so sei das gewisse Etwas, die Unique Selling Proposition, oder wie er es für Personen reformuliert, die „Unique Sympathy Proposition“ zu erreichen, die – gegenüber anderen mit vergleichbaren Kompetenzen – zum Erfolg führen kann.
Der Weg vom Markenkern zum Markenimage führt über Persönlichkeitsmarketing und Kommunikation, und genau in diese drei Schritte unterteilen wir auch unsere Gruppenarbeit im Nachmittagsblock des Departments für Kommunikation: Für die Gruppe „Marken-Kern“, die der Frage nachgeht, was die spezifische Leistung Erika Pluhars in all ihren öffentlichkeitsrelevanten Tätigkeiten ist bzw. war, ist Pluhars Umgang mit Sprache der Mittelpunkt des Markenkerns. Was an Coca Cola der einmalige, unverwechselbare „Cola-Geschmack“ ist, ist für die Künstlerin Erika Pluhar der „besondere“ (einzigartige?) Umgang mit Sprache; als Schauspielerin ebenso wie als Sängerin, als Buchautorin und als (Privat-)Mensch: es ist das Ausdrucksstarke, das Gefühlvolle, das Einfühlsame, das Poetische, das Reflektierende genauso wie die markante reiz-volle Stimme, das Timbre dieser und anderes mehr. Bei „Blindverkostung“ würden wir „Pluhar“ von anderen so einfach unterscheiden können, wie wir auch Coca Cola von anderen Softdrinks unterscheiden können. Die Gruppe (Marken-)Image wiederum geht auf die Suche nach dem emotionalen, spirituellen Mehrwert der „Marke Pluhar“ und sieht das Image v.a. in den Attributen unkonventionell, eigenständig und –willig, (beharrlich den eigenen Weg gehend – das Leben bewusst er-lebend), poetisch zusammengefasst und beschrieben. Das sind die – im Marketingjargon – so genannten „poetic values“, die von den „Konsumenten“ mit der Person/Marke Pluhar über die „Kernkompetenzen“ des Markenkerns hinaus verknüpft werden. Das macht sie interessant, diese Wesenszüge werden geschätzt und bewundert, das macht ihr besonderes Etwas, ihr besonderes Image aus.
Für die Gruppe Marketing/Kommunikation umschreibt der fiktive Claim bzw. Slogan „Und trotzdem bin ich“ dieses Image ganz gut. Denn mit „trotzdem“ umschrieb Erika Pluhar uns selbst ihr Lebensmotto, mit dem sie ihr Arbeits- und Privat-Leben durch-lebte, beharrlich und offensiv anrennend gegen alle Hürden und Hindernisse (z.B. Frauenfeindlichkeit), gegen alle Widerstände (z.B. die Männerwelt Theater, die unerbittliche mediale Öffentlichkeit) und die groben Schicksalsschläge (Trennungen, Scheidungen und die familiären Todesfälle).

Das damit die ganze „Erika Pluhar“ nicht beschrieben ist, ist uns klar; dass wir aber einen Teil jener Besonderheiten, die „die Pluhar“ für die Öffentlichkeit ausmachen, gezielt beschrieben haben, ist für uns ebenso sicher. Es ist eben das, was die anderen in ihr sehen und es hat selbstverständlich damit zu tun, welches Bild Erika Pluhar Bild durch ihr öffentliches Auftreten und durch Interviews, Bücher, Lesungen usw. geformt hat und formen hat lassen (durch Medien genauso, wie Freunde, Bewunderer, Mentoren und Herolde).
Was wir für uns dabei erkannt haben, ist, dass neben unserem Können auch unser Wesen und unser Temperament mit in die Beurteilung durch die anderen einfließt und das man das auch aktiv steuern kann, und auch sollte; ganz so wie das Erika Pluhar ein Leben lang gemacht hat, auch wenn sie von sich glaubt, sie hätte eines Tages und schon vor langer Zeit aufgehört „sich zu vermarkten“.
Sollte das Ich-Marken-Image, das wir selbst anstreben, nicht nur glaubhaft und authentisch sein, sondern zudem noch gewünscht und bewundert, dann steigt die Nachfrage nach uns, damit die Anerkennung und letztlich der Erfolg. Wenn das für Multiplikatoren, Mentoren, Herolde um uns zudem noch einen  besonderen „Newswert“ hat, von dem sie gerne weitererzählen, dann stehen die Chancen für öffentliche Aufmerksamkeit und echte Prominenz verdammt gut; und wer einmal prominent ist, kann das, weil er eben schon „erzählenswert“ bzw. Teil einer Story geworden ist -. wenn er sich (und seiner Marke) treu bleibt – lange auch bleiben!

Richard Dreyfuss, Hollywood-Schauspieler - Seine Rolle ganz mit der persönlichen Körpersprache ausfüllen:
Unser Stargast Richard Dreyfuss ist, obwohl Oskar prämierter Hollywoodschauspieler, nicht allen aus unserer Gruppe ein Begriff: Es dauert, bis wir das Gesicht und den Namen konkreten Filmen zuordnen können: Das ist doch der schrullige Psychiater aus „ Bob“, ist das nicht der nervöse Meeresforscher aus der „Weisse Hai“, der Größere von den beiden kleinen Streithähnen aus „Tin Man“ usw.
Auch unsere ersten Eindrücke nach dem Kennenlernen von Richard Dreyfuss bei der Abendgala sind dann ambivalent; zeigt sich Richard Dreyfuss dabei doch in einer Haltung zwischen Unsicherheit und Abwehr: Körpersprachlich mit gebücktem Rücken und auf den Tisch abgestützten Ellbogen „lümmelt“ er seltsam deplaziert vor den rund 350 Gästen. Irgendwie lümmelt er auch inhaltlich mit wenig aussagekräftigen Antworten auf die Fragen des Interviewers.
Die in der ersten Brainstormingrunde des Seminartags von unserer Gruppe dafür gefundenen Verhaltens-Attribute sind demgemäß ebenso wenig schmeichelhaft: Er habe oberflächlich die Fragen beantwortet, war verkrampft, schrullig, bemüht komisch, nicht sexy, aufgesetzt, clownesk, hohl, extrem klein (als Verhaltensausdruck) usw. usw. Dieser erste, schlechte Eindruck legt sich am zweiten Tag im Mittagsinterview aber wieder eingermaßen. Diesmal auf einer Coach sitzend, „lümmelt“ er zwar wieder mit nach vorn gebücktem Oberkörper, gestikuliert nun aber deutlich mit den Händen, spricht mehr … auch mehr mit dem Körper ins Auditorium hinein, versucht uns – endlich - zu erreichen.

Das Publikum zu erreichen sei ihm (aber) an sich wichtig; das illustriert er uns sogar mit einer spontanen schauspielerischen Darstellung, um das wichtige (Liebes-)Verhältnis vom Schauspieler zur Kamera zu betonen: Spontan aufspringend, aus kurzer Distanz in eine imaginäre Kamera hinein starrend und mit dem Satz - „I wanted you to like me … I like you“ - umschreibend. Dass er schon als 12 jähriges Kind vor dem Spiegel schauspielerisch geübt habe, ist eine anderes Beispiel, mit dem er uns zeigt, wie wichtig für ihn das bewusste, das kontrollierte Darstellen, das Schauspielen, das Erreichen des Publikums immer schon war.

Was für ein Schauspieler er als Filmstar ist und v.a., wie er mit seiner Körpersprache seine Rollen auffüllt, das analysieren wir nachmittags an zahlreichen Filmsequenzen seiner Laufbahn von 1973 bis heute. Dabei achten wir besonders auf die Ausdrucksfelder der Körperhaltung (Kopf, Rumpf, Schultern, Arme), Gang und Bewegungen, Gestik und Mimik, Augenausdruck und –bewegungen, Blickkontakt. Was wir erkennen, klingt nach einem bösen Klischee: Der ca. 165 große kleine Mann verkörpert in den verschiedensten Filmen Charaktere eines kindlichen aber energiegeladenen trotzigen Erwachsenen, eines unter ständigem Druck und Anspannung Stehenden, eines Zerrissenen, eines Neurotischen, eines widerwillig komplexbehafteten kleinen Mannes. Das scheinbar Klischeehafte in unserer Interpretation ergibt sich aber aus klaren, eindeutigen Details seiner Körpersprache – lässt uns das auch nachempfinden: Der Oberkörper, der Rumpf ebenso wie die Arme und die Schultern stehen bei Dreyfuss zumeist unter deutlicher An-Spannung, der Oberkörper wippt oft, ist immer wieder in unruhiger Bewegung. Der Kopf pendelt - in gelegentlich auch aggressiv nach vor gestreckter Haltung - immer wieder kreisend von rechts nach links, rollt gewissermaßen am Rumpf. Mit diesen Bewegungen verknüpft, betont er häufig die verbalen Forderungen des jeweiligen Plots, zumeist solche nach Aufmerksamkeit oder Entgegenkommen.
An anderer Stellen sehen wir ihn (in verschiedenen Rollen) auf dem Absatz um die eigene Achse wirbeln, eine Art Schwung bzw. Anlauf nehmend - um noch ein neues Argument vorzubringen, ein weiteres Argument, mit dem er Recht behalten will, mit dem er Nachdruck erzeugt, mit dem er einfordert, was er „haben“ will, dass der andere denken, tun oder geben soll.
Anderswo sehen wir Dreyfuss, die Hände fest in den Hosentaschen steckend, mit beiden Beinen fest am Boden stehend, wieder dem Gesagten trotzig nonverbalen Nachdruck gebend. Das alles in einer Art und Weise, die an kleine trotzige Kinder erinnert, die sich vor einen Elternteil fordernd hinstellen mit einem, „aber ich will, ich will, ich will, ich will …“.
Diese trotzige Energie des kleinen zerrissenen, des neurotischen Mannes, sie spiegelt sich auch in den energiegeladenen Blicken, mit denen er in den verschiedenen Rollen den anderen fixiert. Auch die Gestik vermittelt Druck und Spannung. Die Bewegungen der Arme sind weit ausladend, ruckartig, auf das Gegenüber zugreifend, nicht weich, nicht fließend. Unterstützt wird dieser Ausdruck gestisch von stark gespreizten Händen, oftmals gegeneinander in einer wechselseitigen Drehbewegung geschoben. Unruhe signalisierend.
Was das mit Dreyfuss als Mensch zu tun hat? Er sei eben ein Kind, das zwischen „child“ und „childisch“ stecken geblieben sei, sagt er uns im Interview als Selbsteinschätzung. Das jedenfalls habe schon sein Vater zum 12jährigen gesagt.

Was wir noch ganz allgemein aus unseren Köpersprache-Analysen erkennen, ist, dass zwischen der Physiognomie und dem Habitus in der Körpersprache ein Zusammenhang besteht bzw. bestehen kann. Was wir „besonders“ glaubhaft und authentisch darstellen können, hat auch mit unserer Physiognomie aus rein physischen Gründen zu tun. Unsere Körpersprache drückt aus, wer wir sind, ob emotionale oder stoisch gelassene Menschen, ob Energie geladene oder träge bzw. schüchterne Menschen, aber auch – wörtlich wie im übertragenen Sinne – ob große oder kleine Menschen. Der über ein Meter achtzig große Sean Connery wird die so authentisch gespielte „trotzige Kleine Mann-Rolle“ von Richard Dreyfuss kaum so ausfüllen können, wie umgekehrt der eins sechzig große kleine Dany de Vito das sicher mit Bravour kann.

Was sagt uns nun unsere Analyse in Bezug auf Richard Dreyfuss´ nonverbale Erfolgsfaktoren als Schauspieler? Dreyfuss ist in der Lage, mit einer sehr klar akzentuierten und ausdruckstarken Körpersprache auf den verschiedensten Ausdrucksfeldern einen bestimmten Charakter schauspielerisch darzustellen. Das der von ihm gespielte „Typ“ nicht all zu weit von der realen Person Richard Dreyfuss entfernt zu sein scheint, ist dazu kein Widerspruch. Dreyfuss nutzt sein „körperliches“ Potential nonverbaler Ausdrucksfähigkeiten – und zwar eindrucksvoll. Diese Rolle war – wie sein Erfolg zeigt – bei Regisseuren und Publikum gleichermaßen gefragt. Und Dreyfuss hat wohl nicht ganz aus Zufall niemals die Rolle von James Bond angeboten bekommen…

Raimund Margreiter (Star-Transplantationschirurg)
Eine Koryphäe, deren Kompetenz (fast) ohne Kommunikation zum Erfolg gereicht:
Österreichs wohl prominentester Transplantationschirurg, Prof. Raimund Margreiter von der MedUni Innsbruck, bringt die Members des AOL-Departments für Kommunikation schon in der vormittäglichen Blitzlichtrunde bzgl. der vielen imposanten Charakterecken des drahtigen Tirolers zum Schwärmen:
Er sei ehrlich, offen, zielstrebig, ehrgeizig, willensstark, entscheidungsstark, risikobereit, mutig, ruhelos, ausdauernd, kalkulierend. Als ein Einzelgänger sei er hart zu sich selbst … aber auch zu anderen, eher ein Macher, denn ein Enabler. Er könne Mitarbeiter ´gerade mal akzeptieren´, sei deshalb kompromisslos, immer wieder auch intolerant, dominant, fordernd, ungeduldig, autoritär, egozentrisch – im Wort wortgewaltig und schlagfertig, gnadenlos direkt, auch dann, wenn das den anderen vor den Kopf stößt und privat jemand der – wie bei uns - auch Witz und Ironie zeigt. Physisch gesehen sei er ein Hochenergetiker, ein Workaholic, sportlich, ein „Grenzgänger“. In Bezug auf seine ärztliche Tätigkeit zeige er, dass er PatientInnen gegenüber mitfühlend und abgrenzend sei und zwar in einer gesunden Mischung, dabei verantwortungsvoll gegenüber den PatientInnen mit hohen moralischen Maßstäben agierend. Er sei leidenschaftlich wissbegierig, und habe – wie er selbst sagt – intrinsische Neugier - , Neuland zu entdecken - als eine wesentliche Antriebskraft seines Vorwärtsstrebens. Er sei ein Perfektionist, suche Herausforderungen, ist ein „Erfolgsjunkie“, definiere sich sehr über seine Arbeit.
Für wen er das alles tut? Weniger für die Familie, weniger für die Gesellschaft, mehr für sich selbst, für die Anerkennung durch sich selbst, zur Selbstbestätigung, um das zu erreichen, was er sich vornimmt. Warum er auf dem Feld der Transplantationschirurgie immer wieder Neuland betrat: ´… weil ers wissen will …´, ´…weils ers kann …`, ´… weil ers besser kann …´, und zudem früher als die allermeisten anderen …´, frei nach dem derzeit in aller Munde seienden ÖVP-Wahlkampfslogan für den – wegen seines tatsächlich überzogenen Selbstbewusstseins? - abgewählten Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel. Was uns am Seminarnachmittag besonders beschäftigt, ist aber die Frage, wie er mit seinen MitarbeiterInnen im Team arbeitet, wie er mit ihnen umgeht, wie er kommuniziert, wie er führt. Auf unsere Frage, in welcher Form und von wem er selbst Anweisungen entgegennehmen würde, antwortet er erwartbar: „ … von Leuten, die er akzeptieren könne…“. Zugleich lässt er aber durchblicken, dass er seine Mitarbeiter gerade mal akzeptieren kann, weil die meisten ja nur 80% Leistung geben, während er immer 100% und mehr einbringt. Eine ungünstige Voraussetzung für vertrauensvolle Teamarbeit! In einer Anekdote lässt er dennoch etwas Selbstkritik aufblitzen: eine Mitarbeiterin, die er vertraglich aufgrund ihrer Leistungen nicht mehr verlängern wollte, warf ihm Führungsschwäche vor. Das hinterließ – dann aber doch – einige Selbstzweifel über seine Führungskompetenz. Aber, es sei eben schwer, in der modernen universitären Medizin, alles gleich zu beherrschen. Ein guter Arzt, ein Manager, ein Team-Leiter mit Personalführungsqualitäten etc zu sein. So was bekäme man eben an der Uni nicht gelehrt, nicht vermittelt.
Wie ein komplexer Arbeitsprozess wie der einer Transplantationsoperation (inkl. aller Vorbereitungen) vom Aspekt der Kommunikation her betrachtet funktioniert, das versuchen wir am Nachmittag durch die Umsetzung eines Planspiels näher zu ergründen. Wir spielen „Baustelle“: Zwei Teams bauen im Wettbewerb gegeneinander in einer komplexen Aufgaben- und Kompetenzaufteilung ein vorgefertigtes Legomodell-Männchen nach. Einer – der „Informant“ – sieht das Modell, darf aber nur mit einem „Boten“ sprechen (der das Modell nicht sieht), welcher wiederum dem „Baumeister“ die Informationen weitergibt, damit der das Modell (ohne das Vorbild zu kennen) nachbauen kann. Der Bote sieht weder das Vorbild, noch das Modell. Das darf nur der „Rückmelder“, der aber seinerseits nur auf Fragen der anderen mit ja oder nein antworten darf und so mithelfen kann, die Informationslücken und Missverständnisse zu beheben. Das Spiel zeigt uns, dass man sich in Teamarbeit zuerst auf eine sinnvolle (produktive und effiziente) Sprache einigen muss, dass aber in der klaren Rollenaufteilung nicht jeder alle Informationen haben kann – aber auch nicht muss – , um erfolgreich und effizient zusammen-arbeiten zu können. Und weiters zeigt sich, dass das gezielte Nachfragen sehr viel und sehr schnell an fehlenden Informationen einbringen kann, was die Produktivität stark steigert. Das Spiel zeigt uns aber zudem, dass Teamplaying auch ohne besonders mitarbeiterorientierte Kommunikation und ohne von allen gleichermaßen geteiltes bzw. vollständiges Wissen (Informationen), über das was der einzelne tut, erfolgreich sein kann.. Wenn die Rollenverteilung stimmt und die richtigen Leute mit den richtigen Fähigkeiten und Kompetenzen an der richtigen Stelle sitzen, kann das Team auch so Höchstleistungen erbringen; ganz so wie das sehr wahrscheinlich auch in Prof. Margreiters Teams (zumeist) der Fall sein dürfte.

Thomas Muster (Österreichs einzige Tennis-Nummereins):
Der Gegner als Feind, mit dem Feind kommunizieren: Journalisten sind – so könnte man meinen - nicht unbedingt die Freunde von Österreichs Tennis-Superstar Thomas Muster. Frank und frei erzählt Muster in seinem Abend-Interview bei der AOL über sein gespanntes Verhältnis zu Medien und Medienmachern. Irgendwann gibt man ohnedies nur noch dieselben Antworten auf die wenig einfallsreichen Fragen: „. Man stelle sich vor, man kommt gerade mit 180 Puls von Court und dann fragt einer ´wie wars´…“, „ meistens sans eh blede Fragen …“ und zu guter letzt sagens „der kriegt ja kann graden Satz heraus“.  „Ich sag immer, wann i was Neues über mi erfahren will …, dann lies i die Zeitung.“, oder „Du hast es geschafft, wenn die Niederlage mehr Schlagzeilen bringt als das Gewinnen“, so zwei andere Erfahrung Muster in pointierte Form gepackt.
Und außerdem, sei es grundsätzlich fraglich, was die Medien aus dem guten Willen des ehrlich Antwortenden so machen: „Wenn du Antworten gibst, mit denen du was anfangen kannst ,… dann kommt das in den Medien oft ganz verkehrt daher.“
Dass Thomas Muster nicht ganz so unbeholfen im Umgang mit den Medien ist, das zu sehen, hatten wir Departmentleiter bereits im Vorfeld der Academy Gelegenheit. In einem Interview mit einer Redakteurin unseres Medienpartners Standard antwortet Muster faszinierend souverän in einem Bereich, der wohl in Österreich zu den an sich schwierigen gehört; das Reden ums Geld. Zum einen steuert er das Gespräch nach Belieben, lässt Fragen zu, witzelt andere wiederum charmant weg oder stoppt die Interviewerin, wo es ihm recht erscheint. Und zudem erweist er sich in Wirtschafsfragen als belesen und verständig.
Hier kann man nicht wirklich vom „Feind“ Journalist sprechen, aber Vorsicht scheint in jedem Fall Musters Porzellankiste zu sein und Vorsicht gegenüber dem Verlust des Spiels sei also allemal geboten.
Woher er das hat? Von Ronald Leitgeb, könnte die einfache Antwort dazu sein. Leitgeb war – auch wenn Muster heute kaum mehr ein (detailliertes) Wort über ihn verliert (zugleich aber auch kein wirklich schlechtes) Musters echter Generalmanager über die wichtigsten Jahre seiner Karriere hinweg. Freund, Trainer, Ersatz-(Über)Vater, Manager: Und wie uns unser diesmaliger Seminar-Diskussionspartner, der Muster-Biograph und Sport-Journalist Christian Hackl (Der Standard) im Detail zu erzählen weiß ,auch eine Art Erzieher – so z.B. auch für den zwischenmenschlichen Umgang im Profi-Sportbusiness. Aber auch Thomas Muster erzählt uns hier wiederum frank und frei, was seine Einstellung zum Thema Kommunikation mit dem sportlichen Gegenüber ausmachte. Ja, selbstverständlich sei es wichtig, den Matchgegner im Match als „Feind“ zu verstehen, den man besiegen müsse. Man müsse dem anderen auch mit allen körpersprachlichen Mitteln klar machen, dass man ihn fertig machen wird, dass er keine Chance haben wird, dass man selbst nicht nachgeben wird, keine Schwäche zeigen wird und dass man bis zum letzten „kämpfen“ und ihn besiegen wird. Ja, und weil das so wichtig ist, muss man dieses Kommunikations-Spiel auch abseits des Courts so handhaben. Dein Spielergegner IST Dein Gegner, in gewisser Hinsicht auch Dein Feind …
Was das mit Erfolg zu tun hat? Na zumindest eine Facette der mentalen Stärke, die Leute so erfolgreich machen kann, wie Muster einstmals erfolgreich war.

 

Edita Gruberova (Opern-Diva):

Sing / Sprech-Technik ist (fast) alles: Sie ist Österreichs „slowakisches“ Aushängeschild im Opernbusiness; Edita Gruberova, weltberühmte Opernsopranistin, die „Königin der Nacht“, die "Lucia di Lammermoor", die "Nora" … und vieles mehr. Begonnen habe ihre Karriere erst so richtig nach den ersten zwei Jahren der Lehre bei Kammersängerin Ruthilde Boesch. "Sie hat mich in der Technik unterrichtet, die ich heute beherrsche. Wir haben Stilfragen erarbeitet, das Legato, das Crescendo und Decrescendo, Messa di voce, die Dramatik des Belcanto. … Das Ansetzen und Entwickeln des Tons, das ist eine ganze Wissenschaft" (aus "Welt am Sonntag" 11.1.2004). Und die Atemtechnik! Sie werfe schon mal auch Tenöre von der Bühne, lässt Gruberova schmunzelnd durchblicken, wenn sie sieht, dass diese die Stimme erheben, ohne noch einmal so richtig ausgeatmet zu haben. Ausatmen!!! Das ist ja das Mindeste! In einer kurzen Demonstration lässt sie uns auch kurz visuell daran teilhaben, was es ausmacht, das Zwerchfell einmal so richtig nach unten frei zu lassen und der Lunge so Raum für viel, sehr viel! Volumen zu geben.
KS Boesch war für Edita Gruberova so etwas wie eine Diamantschleiferin; sie habe ihr geholfen, den Rohdiamant zu schleifen, als welcher sie nach Wien an die Oper gekommen war. Und viele Statements aus der ExpertInnenwelt der Opernfans sprechen für diese Eigeneinschätzung; Ja, sie sei eine der ganz wenigen, der ganz großen, wenn nicht die einzige Sopranistin, die es geschafft hat, 38 Jahre an der Weltspitze – und ohne Qualitätseinbuße – zu singen. Das sei neben dem Ehrgeiz wohl auch in der technischen Perfektion begründet. Ja, sie singe wenige Rollen, diese aber in Perfektion; Koloratur perfekt erlernt, zudem starker Ausdruck der Rollen durch perfekte technische Beherrschung ihrer Stimme.
Interessant andererseits, dass sie in der Interviewsituation uns als ZuhörerInnen der Academy of Life einen wenig strahlenden Eindruck ihrer Ausdruckskraft – insbesondere im Zusammenhang ihrer sonstigen Stimmgewalt - hinterlässt. Mimik und Gestik wirken da oftmals schon um einiges eindrücklicher, Teil ihres Images, teil ihrer Persönlichkeits-Marke ist - wie wir bald bemerken - mehr der Humor, die Selbstironie und der kultivierte slawische Akzent.
Wir aber sind keine OpernsängerInnen, unser persönliches Maß für Erfolg ist der Auftritt im beruflichen Alltag. Die Stimme in Berufszusammenhängen „eindrücklich“ zu erheben, ist hier ein wichtiger Indikator für Erfolg oder Misserfolg. Allerdings auch einer, wie wir in der Diskussion feststellen, auf den neben den allzeit präsenten Softskills wie Präsentationstechnik, Argumentationstechnik oder Körpersprache (zu) wenig Augenmerk gelegt wird; sei es in der Anwendung, wie in Trainings.
Während wir also über die Erfolgsfaktoren und Kriterien von Edita Gruberovas „Stimme“ philosophieren und in der Gruppe diskutieren, verharrt unser diesmaliger Co-Coach, die Sprechtrainerin Tatjana Lackner längst unter uns und sieht uns „ aufs Maul“, wie man umgangssprachlich so schön sagt. Und als wir dann zum Thema „ wie sprechen wir“, „wie nutzen wir unsere Stimme“, „wie gehen wir mit unserem Atem um“ weiter diskutieren, kommt dann Tatjana Lackner wortgewaltig – mit viel Wiener Schmäh – ins Spiel. Und sie zeigt jeder/jedem von uns, was wir „wirklich“ können, und was wir „ganz ehrlich wirklich nicht“ so können, falsch machen, was wir besser machen könn(t)en: Es geht um Atemtechnik, Artikulation (Klangfarbe besonders der Vokale), Einsatz der Stimme (Fülle, Höhe, Stärke) , die Melodie unseres Sprechens, Modulation, den Rhythmus, das Sprechtempo.
Der Ton macht die Musik, sagt ein altbekanntes Sprichwort. Für die Operndiva Edita Gruberova, das wär für uns nie eine Frage gewesen, dass das war ist. Als Tatjana Lackner jeder und jedem von uns Stärken und Schwächen bei uns selbst zeigt, gibt es viele Aha-Erlebnisse. Und viele von uns entschließen sich spontan, daran arbeiten zu wollen: den Technik ist zwar nicht alles, aber man kann ja die Rohdiamanten – die letztlich in uns allen stecken - , zumindest zu schleifen versuchen. Ob am Ende das Produkt, der Brillant, dann groß bleibt, oder aber nur ein paar kleinere, dafür umso reinere geschliffene Steine überbleiben, tut da ja nichts zur Sache. Es wird uns jedenfalls weiter bringen …

Frederic Morton (aus Österreich stammender und in den USA lebender Schriftsteller mit Weltruf)

God is in the Details – Frederic Morton “sein” Meisterhandwerker in Texten?: Im Verhältnis des jüdischen Schriftstellers Frederic Morton zu Gott und Religion liegt an sich wenig Mystisches. Religion könne man sich wohl am besten in Anlehnung an Kirkegaards Überlegungen mit einer Muschelmetapher vorstellen, sagt er in einer unserer Interviewrunden: Religion sei die Muschel, mit der der religiöse Menschen den Kern des menschlichen Zweifels – die Perle – umhüllt und verschließt. Was ihn an Religion – auch in seinen literarischen Werken – interessiere, sei vor allem die darin aufgehobene Kulturgeschichte, die unendliche Tiefe und Substanz menschlicher Kulturerfahrungen. Er sei ein gläubiger Mensch, aber kein religiöser. Vom Umschließen und Abkapseln hält er – wie wir meinen - nicht viel, vielmehr erscheint er uns als jemand, der vom Glanz der Perle ebenso fasziniert ist, wie von der umschließenden Verpackung. In den Texten wie in seinem Auftreten zeigt sich uns Frederic Morton in diesem Sinne „leidenschaftlich“ (und) pragmatisch. Es käme in seinen stark autobiographischen Texten v.a. darauf an, was man fühlen, was man antasten, was man riechen kann, auch entsprechend zu beschreiben; das sei wichtig; und genau das gelingt Frederic Morton auch hervorragend (leidenschaftlich pragmatisch), eben wie ein der Meisterhandwerker, der „Gott“ in die Details zu legen versteht.

Gemeinsam mit dem Literaturwissenschafter Ao.Prof. Dr. Arno Dusini von der Universität Wien gehen wir in unserem Seminarblock diesem Geschick an einzelnen Textauszügen im Roman „Ewigkeitsgasse“ textanalytisch nach. Der „kunstvolle“ Gebrauch von Sprache beeindruckt uns alle. Wie viel mehr an kultureller Erfahrung und Substanz liegt da in Sprache verpackt, als wir selbst in unserer Alltagskommunikation noch in der Lage sind „einzupacken“, teils in Abgestumpftheit gegenüber sprachlichen Finessen noch nicht mal mehr in Lage es sofort wahrzunehmen. Die intensive Beschäftigung mit den Texten und ihrer Sprache führt uns dann aber auf die Fährten jenes Zaubers der Texte Mortons, der uns schon beim oberflächlichen Lesen tiefe Empfindungen und Bilder bringt, ohne uns sofort darüber bewusst zu sein, wo unsere „Bilder im Kopf“ entstehen, wo diese im Text selbst „versteckt“ sind. Sehen wir uns dazu kurz den folgenden Textauszug aus dem Roman Ewigkeitsgasse an:

 „…Für das Abendessen am Hochzeitstag hatte Berek einen Tisch im Cafe Pellmann reservieren lassen, in der Polsterabteilung. Dieser Teil des Lokals war von der Proletarierabteilung durch einen Wandschirm abgetrennt, auf den eine Kopie von Michelangelos Schöpfungsgeschichte gemalt war. Berek bemerkte, daß seine neue Frau das Backhendl auf eine recht interessante Art aß: Sie nahm die Gabel immer wieder in die rechte Hand, während die linke träge und rosenfarbig behandschuht auf der Tischdecke ruhte. Hester nickte, als Riddah nach einem barhändigen Angriff auf vier Hühnerschenkel unvermittelt aufstand und verkündete, sie müsse sich um die Zwillinge kümmern und ihre nächtliche Bäckerei in Gang bringen.“

Es ist die besondere sprachliche Kunstfertigkeit Mortons, die Art wie er mit sprachlichen Details und ihrer speziellen Komposition in uns große Bilder entwickelt, und wie wir dadurch auch Komplexes nachvollziehen, das so in der simplen Darstellung gar nicht ausgeführt ist. Sprache, sprachliche Details für sich sprechen zu lassen, den/die LeserIn sich mit seiner Imagination selbst einbringen lassen, und dabei doch einen vorgezeichneten (Interpretations-)Weg entlangführen, das ist es v.a., was uns allen so große Bewunderung abringt. Hesters Art, einhändig und„rosenfarbig behandschuht“ Backhendel zu essen, steht Riddhas Art „barhändig (die Hühnerkeulen) angreifend“ gegenüber, die Attribute des Verhaltens und des Äußeren stehen stellvertretend (ohne aber platt zuschreibend zu sein) für den kulturellen Unterschied zwischen beider Welten. Einem Unterschied, den der Autor an anderer Stelle, ebenfalls nur indirekt, durch die simple Beschreibung eines Wandschirms mit dem Motiv der Schöpfungsgeschichte Michelangelos charakterisiert, um damit die dekadent plüschige „Polsterabteilung“ von der einfachen „Proletarierabteilung“ zu trennen – und zwar auch in unserer Köpfen! Ganze Lebenswelten werden mit einfachen Mitteln des (literarischen) Sprachgebrauchs so im Leser evoziert. Hinter dem vermeintlich Einfachen steckt also hier Komplexes, Tiefgängiges. Es ist die hohe Kunst Mortons, das vielschichtig im einzelnen Ausdruck Aufgehobene dann in seiner textlichen Verknüpfung zu (be)nutzen, um damit für den/die LeserIn große Bilder zu eröffnen, in denen diese, was man an sich sehen, riechen, empfinden kann – wenn man nur genau genug auf die Welt und ihr Sosein schaut – durch die eigene Vorstellungskraft nachempfinden zu lassen. Diese zentrale Fähigkeit Mortons wird uns in unseren kurzen Analysen immer klarer. Etwas durch etwas anderes auszudrücken, der Umgang mit Formen „uneigentlicher“ Kommunikation, mit Angedeutetem, mit Anspielungen, mit Implikationen, mit Allegorien, mit Metaphern, das beschäftigt uns in der Nachfolge der Analyse dann deshalb auch noch ganz allgemein in unseren Diskussionen. Denn davon können wir alle auch für unser individuelles kommunikatives Verhalten, und damit für Erfolg in Beruf und Alltag etwas lernen.

Dass es zum Roman Ewigkeitsgasse noch viel mehr zu sagen gab, versteht sich von selbst. Arno Dusini fasst diese Ergebnisse unseres Seminars wie folgt zusammen: „Frederic Mortons „Ewigkeitsgasse“ zeichnet sich durch eine raffinierte Verschränkung von historischem Roman, „Schelmengeschichte“ und Familienroman aus. Der poetische Kern des Textes ist ein legendärer, angeblich aus der Jerusalemer Tempelmauer heraus gebrochener Stein, der - durch Generationen hindurch sorgsam aufbewahrt - zugleich Amulett wie Identitätsversicherung und Wunschmaschine einer jüdischen Familie wird. Dass die Geschichte in der Wiener Vorstadt Hernals angesiedelt ist, erlaubt es, ein historisches Panorama gleichsam „von den Rändern“ her zu eröffnen: Nicht das Zentrum des Habsburgerreiches, sondern seine Vorstadt ist es, durch die der Gang der Geschichte geht, mit den polyphonen Überkreuzungen verschiedener Ethnien und Lebensformen, wie sie die durchziehenden oder bleibenden Türken, Zigeuner, Wiener und Juden repräsentieren. Wobei dieses Konzept von Multikulturalität keineswegs die disparaten und konfliktträchtigen Geschichtsstränge der einzelnen Ethnien eskamotiert. Mortons besondere ästhetische Leistung besteht genau darin: (autobiographische) Geschichte bis in ihre kleinsten Verästelungen so darzustellen, dass bei aller Buntheit Schönfärberisches verschwindet und Mutloses sich nicht einstellt.“

Hans-Hermann Hoppel (philosophierender "Provokateur")

Provozieren, um wahrgenommen zu werden: „Aufmerksamkeit ist heute zur Mangelware geworden. Wenn Sie wollen, dass man Ihre Kampagne wahrnimmt, dann provozieren Sie! Provozieren heißt herausfordern, hervorrufen, aufreizen. Doch Vorsicht: Aufsehen ist noch kein Ansehen. Provokation ist ein Grenzgang, der Geschick erfordert und nur durch kalkulierten Einsatz zum Ziel führt.“ (Mario Pricken: Kribbeln im Kopf, 2001)
Dass Oliviero Toscani mit seinen Werbekampagnen für Benetton diese Grenze – zumindest „zu oft“ - überschritten hat, meinen heute nicht mehr nur bestimmte Kreise, die damals vom „Tabubruch“ direkt und indirekt „betroffen“ waren, sondern auch prominente Werbefachleute, wie etwa Holger Jung und Jean-Remy von Matt, die andererseits „gezielte“ Provokation sehr wohl als wichtig und für bestimmte Zwecke sogar unabdingbar einschätzen.
An einem solchen Geschick mangelt es aber – wie unsere Analysen zeigen - unserem diesmaligen „Star“-Gast offensichtlich. Denn das Aufsehen, das er mit einer Mixtur aus sachlicher Provokation (zum Thema der Zukunft des demokratische verfassten Sozialstaats) mit zahlreichen expliziten wie impliziten Tabubrüchen (z.B. ´Politiker als Parasiten´ oder ´soziale Randgruppen als Krankheitssymptome´ etc. pp) erregt, führt mit Fortdauer der Provokation zu einem - nahezu exponentiell – abnehmenden Ansehen der Person und in der Folge natürlich auch zu einem eingeschränkten Interesse am Thema; jedenfalls daran, es auf diese Art und Weise diskutieren zu müssen.
„Da Irritation mit Aktivierung einhergeht, verstärkt sie zwar die gedankliche und emotionale Verarbeitung und Speicherung einer Werbebotschaft. [...] Die mit Irritation verbundene Abwehrhaltung der Umworbenen beeinträchtigt jedoch die Akzeptanz- und Überzeugungswirkungen der Werbung, vor allem die Auswirkungen der Werbung auf die inneren Haltungen …” (Kroeber-Riel/ Esch: Strategie und Technik der Werbung, 2000).
Was die Provokation des Protagonisten aber jedenfalls brachte, ist – neben einer für viele völlig unverständlichen Einladung als „Star“-Gast an die AOL – der Multiplikatoreffekt für Thema und Person und zudem das Involvieren der Betroffenen in einen auf mehreren Ebenen „unangenehmen“ Diskurs. Eine Provokation eben: «[Ein] absichtlich herbeigeführter Normbruch, der den anderen in einen offenen Konflikt hineinziehen und zu einer Reaktion veranlassen soll, die ihn, zumal in den Augen Dritter, moralisch diskreditiert und entlarvt.» Rainer Paris Der kurze Atem der Provokation. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 41, (1989)

Das Thema UND die Art des Argumentierens lässt in teils turbulenten Diskussionen niemanden kalt; man muss darüber diskutieren, man kann sich darüber aufregen, muss jedenfalls dem Gesagten – in Inhalt und Form – Aufmerksamkeit schenken. Das Thema und das sprachliche Verhalten des Provokateurs polarisiert; mehr als nur die Meinungen, auch die Menschen.

Was von diesem Aol-Tage neben obigen Erkenntnissen noch übrig blieb, dazu kann hier gut ein Statement dienen, das das © copy-right des „Star“-Gasts trägt. Mit Bezug auf die Lektüre des Kanons der wissenschaftlichen Literatur in seinem Studium meinte dieser in einem Interview, er hätte leider ´viel Zeit mit überflüssiger Lektüre vergeudet´. Vielen von uns erging es - nach diesem Aol-Meeting – sehr ähnlich …

Hans Hollein (Stararchitekt aus Österreich)

Unkommunikativ "begeistern": Hans Hollein, der in den späten 60ern und frühen 70ern ein Tabubrecher und Exzentriker der Kunstszene auf dem Gebiet der Architektur war, sich gegen den Bierernst des miefigen Österreichs dieser Jahre stellte, kommunikativ und belesen, zu allerlei Späßen, Zuspitzungen und Essayistik mit Hingabe bereit, ist heute längst am Zenit des möglichen Erfolgs angekommen. Heute ist er kein "Begeisterer" mehr. Er erklärt uns wenig, wenig über sich und noch weniger über sein Kunst. Er versucht erst gar nicht, uns in der Tiefe seiner Ideenwelt an etwas teilhaben zu lassen, auch dort nicht, wo man ihm huldigt und schmeichelt. Belesen ja, aber nur in den Texten, die wir kennen; kein Prahlhans aber auch kein intellektueller Redner. Wie sich sein Erfolg definiert, kann man jedenfalls an seinen zahllosen Projekten bemessen. Auch die aufbegehrende Volksseele - etwa gegenüber dem Haas-Haus oder dem Soravia-Wing - zeigt, dass er der Öffentlichkeit, von den Seitenblicken bis zur Politik, wichtig und wert ist. Ihn zu fragen, was seinen Erfolg ausmacht, ist aber wenig zielführend, wie wir sehen. Er ist eben kein Begeisterer - wie er das bei seinen Projekten macht, bleibt uns verborgen. Auch ist ihm sein internationales Renommee wohl wichtiger als der Ruhm im eigenen Land. Zwar ist er in Österreich, wie unsere Recherchen ergaben, ein Adabei. Aber man hat das Gefühl, dass er niemand ist, der sich hier aufdrängt. Wichtig ist ihm, wie er selbst sagt, ohnehin nur das Urteil von 5 bis 6 Freunden. Auch auf Prestige legt er keinen Wert, zudem keinen auf Repräsentation und Luxus. Seine Sache ist ihm doch das Wichtigste, das Zentrale. Übrigens: Das Wesen seiner Architektur bleibt uns mit unserem fragmentarischen Wissen verborgen. Er selbst sagt kaum etwas dazu. Es ist ihm, so scheint es, nicht viel wert, uns von etwas zu überzeugen. Nein, postmoderner Architekt sei er nicht, das sei zu ungenau, wiewohl das Spiel mit Versatzstücken der Formen- und Zeichensprache schon was Wichtiges sei. Das alles erzählt er ganz nebenbei, leidenschaftslos. Wenn es so etwas wie eine Aura gibt, dann haben wir bei Hans Hollein keine gefunden. Was bleibt, ist ein belesener Professor, der zielstrebig ist, das Große anstrebt, als machbar ansieht, der seine Sache liebt, und wirklich was davon versteht. Was ebenso bleibt: Er ist kein Überzeuger, kein Redner, kein Selbstdarsteller oder gar Aufschneider. In diesem Sinne ist er wenig kommunikativ, wenn nicht gar ungesellig, doch jedenfalls jemand, dessen Lebenswerk schon zu Lebzeiten das Charisma der Person um vieles überstrahlt.

Jane Goodall (Verhaltensforscherin - "Schimpansen-Mama")

Aggression, die "tierische Seite der menschlichen Kommunikation"?: Meiner Tochter Lea Maria signierte Jane Goodall eines ihrer Bücher mit dem Zusatz "Live your dreams". Das ist sicher das zentrale Erfolgsprinzip der Verhaltensforscherin, wenn man sich ihre wundersame Karriere unter schwierigsten Bedingungen ansieht. Offensichtlich, so die Meinung in unserer Gruppe, sei Goodall ein extrem positiv eingestellter Mensch, sehr optimistisch, idealistisch und habe eine hohe Ausdauer und Durchsetzungskraft. Sie sei eine starke Frau, mutig, dabei auch engelhaft unschuldig und mädchenhaft wirkend, oder anders gesagt: vielleicht schlich bewusst-bewusst weiblich. Vieles davon mag wohl an ihrer Erziehung gelegen haben: aufgewachsen "fast" nur in einem Frauenhaushalt, ein bewunderter Onkel nur am Rande der Familie, von der Mutter zur Eigenständigkeit ermutigt: "Anything goes", "Live your dreams". Die kleinen Kinderträumereien und die stille Beharrlichkeit wurden stets - so scheint es - gefördert. Auch als Goodall nach Afrika geht, ist ihre Mutter unterstützend mit dabei. Was wir rund um das Thema Kommunikation noch zusätzlich zu erkennen glauben: Goodall ist sich ihrer Ausdrucksstärke, fast möchte man sagen ihrer Aura sehr bewusst, hat eine klare Gestik und wirkt ruhig, überlegt und gelassen. Oftmals haben wir aber auch den Eindruck einer kleinen Inszenierungen, einer solchen mit Kalkül, wenn sie uns etwa ein Baumblatt in Folie vorführt, um Geschichten über das Gute und Böse zu erzählen. Ab und an wirkt sie auf uns auch etwas zu salbungsvoll und ein wenig zu missionarisch. Aber schließlich ist das Reisen durch die Welt, um diese besser zu machen, nach den Jahren der Forschung ja tatsächlich ihre neue Mission. - Gemeinsam mit der jungen Anthropologin Kate Schein, die unsere Gruppe als Co-Coach begleitete, diskutierten wir über die Vergleichbarkeit von tierischer und menschlicher Kommunikation. Bald sahen wir viele Parallelen zwischen Tier und Mensch, aber nicht immer nur die schönen Seiten des etwa von Goodall oftmals beschworenen Familiensinnes der Schimpansen. Unsere Diskussionen über Körperkommunikation zeigten uns vielmehr Vergleichbares beim "Kampf" um Rang und Stellung im sozialen "Spiel" von Oben und Unten. Das im Interview mit Goodall idealisierte Bild der Schimpansen-Community bekam in der Diskussion fortgesetzt Kratzer. Der Aspekt der Aggression, der uns allen aus der Alltagswelt nur allzu vertraut ist, erschien uns bei Goodall dann doch zu verbrämt und ausgeblendet. Ihre Aufrufe an die Welt des Geschäfts - "Bring back social harmony", "Be more sensitive" - konnten wir andererseits gerade deswegen gut nachvollziehen. Letztlich sollte es ja doch noch einen klaren Unterschied zwischen Tier und Menschen geben: Verbale Sprache und Verstand einzusetzen, um eine Idee einer besseren Welt zu beschreiben, aber eben auch handelnd zu erreichen - auf diesen elementaren Vorteil der menschlichen gegenüber der tierischen Kommunikation weist Goodall uns ebenso mit Nachdruck hin. Ein wenig mehr Bewusstsein für die "tierische Seite" unserer Alltagskommunikation gepaart mit einer ordentlichen Portion Verstand und Ideen dafür, wie man es besser und "menschlicher" machen könnte, das ist diesmal ein wirklich gutes Ergebnis unserer Seminarrunde.

Hans Küng (Theologe mit Weltgeltung und "Weltethiker", Dtl/Schweiz):

Tue Gutes  ... (und sprich auch darüber)! - Wie schon in der Vergangenheit einmal, schloss sich auch diesmal die Departmentgruppe Wirtschaft mit der der Aol-Gruppe Kommunikation zusammen. Die globale Frage der Gruppe Wirtschaft nach Werten und Werthaltungen als Basis des Handelns im (guten) Management und der Versuch der Gruppe Kommunikation, sich dem Thema „CSR – Corporate Social Responsibility“ zu nähern, können – so unsere Annahme – gut  verknüpft, gemeinsam bearbeitet und diskutiert werden.
Wie immer diskutieren wir vorab zentral zu unseren Eindrücken über die vermeintlichen Erfolgsfaktoren unseres Gastes, diesmal eben dem „Theologen mit Weltgeltung“ Hans Küng.
Intelligenz, breites Wissen, hohes Allgemeinwissen, Wissensdurst, Kommunikationsfähigkeit und -bereitschaft, Offenheit, gute Rhetorik mit „Bodennähe“, mutiges und überzeugendes Eintreten für die eigenen Standpunkte und Werte, Konfliktfähigkeit, Unbeirrbarkeit, Steherqualitäten und die Liebe zur Herausforderung sind erste wichtige Schlagworte unserer Einschätzung, was Küng als (Erfolgs-)Menschen wohl spezifisch und besonders macht. Er hat offensichtlich (auch im hohen Alter) Freude an der Arbeit, sei leistungsbereit und zudem effizient, und hatte – was wir nicht verschweigen wollen – wohl auch das Glück, kaum wirtschaftliche Sorgen in seinem Berufsleben gehabt zu haben. Im Mittelpunkt seines Seins und Schaffens steht aber ganz sicher der „Glaube“, sein Glaube, und die damit verbundenen Überzeugungen, für die er arbeitet(e) und auch streitbar ist, auch gegen die vorhandenen Hierarchien.
Sein Einsatz für die Entwicklung und Festschreibung eines – religionsübergreifenden - Weltethos in der sog. „Menschenpflichten-Erklärung“ ist dabei ein aktueller Beweis für seinen gelebten Glauben und sein Engagement „für“ die Menschen und die gedeihliche und friedvollen und nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft(en). Für uns ein schöner Ausgangspunkt, der Frage nach der Ethik im gar nicht so kleinen Mikrokosmos des wirtschaftlichen Handelns nachzugehen.
Mit der heuristischen Fragestellung, „Was könnte das Management beispielsweise von den Benediktinerregeln lernen und auf das eigene Unternehmen in Bezug auf Managementhandeln allgemein und die Unternehmenskommunikation im Besonderen lernen“, nähern wir uns dann ganz praktisch den Fragen nach dem Wert und der Notwendigkeit eines Bewusstseins für Ethik und für konkretes ethisches Handeln im Management. Dabei zeigt sich, selbst für uns Departmentleiter überraschend, dass die dazu als Vorlage verwendeten Auszüge aus den insgesamt 73 Benediktineregeln, die das Zusammenleben und Handeln der Mönche des Benediktinerordens schon seit jeher regeln, sehr einfach auf die rezenten Aufgaben und Herausforderungen modernen Managements übertragen werden können. Viele der ethischen Grundregeln für das Zusammenarbeiten untereinander und das Verhalten gegenüber der Außenwelt (seien es die Kunden, die Kooperationspartner, die Stakeholder und sonstigen Betroffenen) sind – in moderne Sprache und Terminologie des Wirtschaftens übersetzt – noch heute zeitlos gültig. Und sie werden vor allem auch heute noch – von uns allen – als wichtig und notwendig eingestuft, um nicht nur „human“, sondern v.a. auch erfolgreich zu wirtschaften.
Rund um das im Moment sehr „modern“ (um nicht zu sagen Mode) gewordene Konzept der Corporate Social Responsibility zeigt sich in unseren Diskussionen, dass das Bewusstsein für Ethik und ethisches Handeln immer die Grundvoraussetzung für ein Verhalten ist, dass – wie es eine zentrale Definition beschreibt – „zu nachhaltigem Unternehmenserfolg führt“. Denn wer CSR leben will, muss sich zu aller erst seines Standortes besinnen, seine Werte im Sinne des gedeihlichen und nachhaltigen Wirtschaftens definieren und kann erst dann Strategien und Maßnahmen entwickeln, die das „Konzept“ CSR zum Leben erwecken. Dass Kommunikation hier im Mittelpunkt steht ist dabei nur eine Binsenweisheit. Aber natürlich gilt auch hier der altbekannte Merksatz der PR, oder vielleicht hier besonders: Tue Gutes und sprich darüber!

Maria Schaumayer (vormals Präsidentin der Österreichschen Nationalbank):

Netzwerke, partnerschaftliche Netzwerke, Partnerschaft, Partner – was braucht der Mensch zum Glück?– Sie sei zu alt gewesen, um Netzwerke vorzufinden, als Sie spät berufen als fast 60jährige zur Präsidentin der österreichischen Nationalbank ernannt wurde. Und außerdem bevorzuge sie „Netzwerke der Partnerschaft“.
Eher bedeckt und in Bezug auf „Partnerschaft“ und „Netzwerke“ auch ein wenig kryptisch, beantwortet unser Academy of life – Stargast, Maria Schaumayer, Grande Dame der österreichischen Währungspolitik, die in unserer diesmaligen Beschäftigung mit Karrierewegen thematisch zentralste Frage nach „Netzwerken“, die ihr in ihrer erstaunlichen Karriere geholfen haben.
Dass sich Frauen neben Männern und Männerstrukturen nur in „Partnerschaft“ bewähren können und sollen, ist scheinbar ihr Credo, das aber erst aus vielen Versatzstücken Ihrer Interviewantworten zu allen möglichen Themen herausgehört werden muss und auch eher eine Metapher für das erfolgreiche Handeln der Maria Schaumayer zu sein scheint..
„Partnerschaft“ meint hier, so scheint mir, nicht so sehr gemeinschaftlich, gleichberechtigt und freundschaftlich verbunden zusammen zu arbeiten, sondern in wechselnder Rolle, sowohl das weibliche Element als auch das männliche für erfolgreiches Agieren zu nutzen. So wie Maria Schaumayer selbst? – Eine hoch gebildete Frau, mit perfekten Umgangsformen, die die zeittypischen höflichen Umgangsformen der Männerwelt ihrer Sphäre den Frauen gegenüber möglicherweise ebenso zu nutzen wusste, wie die harte, deutliche Sprache des männlichen Führungsrollenbildes dieser Zeit, immer dann, wenn es Sinn macht(e)? Das muss oder kann „Partnerschaft“ hier auch bedeuten. Und es deutet einiges darauf hin, das mit „Partnerschaft“ hier ein wenig das ´Spiel´ mit dem Ying und Yang von Frau und Mann gemeint ist.
Was unserem Department jedenfalls Respekt einflößt, ist Ihr Können, ihre fachliche Kompetenz ganz allgemein. Daran besteht für uns kein Zweifel. Sie auf die Besonderheit einer bzw. ihrer Frauenkarriere im Österreich der Nachkriegszeit reduzieren zu wollen, kommt uns so erst gar nicht in den Sinn. Sie ist praktisch veranlagt, diszipliniert und konsequent, selbstbewusst und hat klare Werte, die sie uns darlegt. Ihre gute Rhetorik und ein auffallend gutes Gedächtnis für Zahlen, Daten, Namen und Fakten sowie auch der immer wieder durchkommende Wortwitz zeigen – neben der Fachkenntnis – ihre kommunikative Eloquenz. Ihr Führungsstil? Was sie uns sehr prägnant als ´teamorientiert in der Entscheidungsfindung´, ´zielorientiert in der Durchführung´ und (pädagogisch) ´erläuternd, erklärend bzgl. der Folgen´ darstellt, scheint uns eher selbstbewusst, bestimmt und vielleicht im positiven Sinne „autokratisch“ gewesen zu sein. Das jedenfalls beschrieben einige Anekdoten aus Ihrem näheren Arbeitsumfeld als das Fremdbild ihres Führungsstils.
Ein klein wenig mit dem männlichen Habitus zu spielen, oder aber ab und an zwischen Männer- und Frauenrolle – je nach Bedarf und Sinnhaftigkeit – zu changieren, das wäre hier jedenfalls gut nutzbar, und ist gut vorstellbar für Maria Schaumayer gut nutzbar gewesen.

Im Nachmittagsworkshop unseres Departments für Kommunikation diskutieren wir dann auch noch zusätzlich mit einer Expertin in Sachen Netzwerke und Frauenkarrieren, der Journalistin und Buchautorin Petra Stuiber, die einige Ergebnisse und Thesen ihres aktuell erschienenen Buches "Österreich in Männerhand? Ein Land als Herrenclub – und wie es Frauen trotzdem schaffen" in unsere Reflexion über die Karriere Maria Schaumayers einbringt. Klar ist, dass Maria Schaumayer sicher zu den ganz wenigen österreichischen Karrierefrauen ihrer Generation in Toppositionen der Wirtschaft und Verwaltung gehört, und es ist angesichts ihres außergewöhnlichen Karriereweges schwer vorstellbar, dass sie – wenn auch hochkompetent – ohne wirtschaftlich und politisch gefärbte „Vernetzungen“ diesen Weg hätte einschlagen können. Aber da ist Frau Schaumayer ohnedies selbst sehr bescheiden: sie sei selbst aus glücklichen Umständen in angesehene Positionen gestolpert. Denn was Frauen leider immer schon fehlte, und zumeist noch fehlt, ist schlicht die „Chance“, wie sie selbst sagt. Einmal mit helfenden Händen an einer einflussreichen Stelle angelangt, kann es (muss natürlich nicht) weiter und weiter gehen.
Angesprochen auf die Frage “was tut man in Netzwerken eigentlich konkret, wie verhält man sich da?“ entwaffnet sie unsere (bewusst) naive Zugangsweise – vorgebracht mit getragener Intonation – durch die Beschreibung der Banalität des aktiven „Netzwerkens“: ´Na, dann greift man natürlich ab und zu zum Telefonhörer, und bittet jemanden um einen kleinen Gefallen´ … aber in erster Linie um andere, zumeist junge Leute, von denen man überzeugt ist, zu fördern. Das tat und tut Maria Schaumayer auch heute noch. Jetzt allerdings mehr indirekt-direkt in dem sie mit einer von ihr gegründeten Stiftung Frauen bei der „Hilfe zur Selbsthilfe“ auf Ihrer Laufbahn in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik unterstützt.
In der abschließenden Transferrunde unseres Departmentteams sammeln wir noch so manches Vorbildhaftes an Maria Schaumayers Kompetenzen und Erfolgskriterien. Woran sich fast alle von uns aber kein Vorbild nehmen wollen, ist ein Leben ohne PartnerIn, Familie, für einige auch Kinder. Denn was bei diversen Ausführungen von Frau Schaumayer zu ihrem privaten Umfeld ebenfalls mit dem Begriff der Partnerschaft(en) umschrieben wurde, hatte bei vielen von uns entweder den Eindruck einer Umschreibung für eine Sozialtechnologie erweckt, ohne die man weder im Beruf, noch im Privatleben „erfolgreich“ sein kann, oder aber war uns in privaten, intimen Belangen einfach zu eingeschränkt. Soziale Netze, die einem das Privat-Leben bei gleichzeitiger Karriere erleichtern und ermöglichen, und Hobby-Freundschaften satt LebenspartnerInnen, die als Ersatz für echte Partnerbeziehungen dienen sollen, sind den meisten von uns zu wenig fürs persönliche Glück. Wenn auch viele von uns geneigt sind, auf dem Altar des Erfolgs so einiges zu opfern …alles dann doch nicht!

Ron Sommer (TOP-Manager der Telekombranche, Deutschland )

Ein „strahlender Visionär“: ´… A leader is someone who defines (organizational) reality through the articulation of a vision which is a reflection of how he or she defines (organization´s) mission and the values which will support it ….´ (Brymann 1996)
„You have to know where you are going, to be able to state it clearly and concisely - and you have to care about it passionatel. That all adds up to vision, the concise statement/picture of where the company and its people are heading and why they should be proud of it.“
(Peters/Austin 1985).
So z.B. beschreiben rezente Managementtheorien den Kern von „New Leadership- Management“ (i.d.F. NLS). Moderne Manager sind dieser Theorie gemäß Manager von „Bedeutung“, „Bedeutungs-Manager“, die Visionen erschaffen und kommunizieren, und damit Vertrauen bilden und Beispiel geben. Die Theorie spricht sogar davon, dass ein „charismatischer Führer“ in der Lage ist, mit der Artikulation von Visionen bei den „Geführten“ die Wichtigkeit von Resultaten zu verdeutlichen und sie anzuhalten, ihre persönlichen Interessen zugunsten der Organisationsziele unterzuordnen. Jedenfalls aber beeinflusst NLS – mehr oder weniger gezielt bzw. bewusst - die Grundeinstellungen der Organisationsmitglieder in Hinsicht auf deren Zustimmung zur Realisierung von Zielen und Strategien der Organisation. Brymann 1996 bringt das wie folgt auf den Punkt: „Visionen erschaffen, kommunizieren, Vertrauen bilden, Beispiel geben.“
Damit hatten wir in der AOL-Seminargruppe Kommunikation eine gute Ausgangsbasis diese idealtypischen „theoretischen“ NLS-Management-Erfolgskriterien und –Kompetenzen mit der Praxis des Top-Managers Ron Sommer zu vergleichen. Und folgendes Bild von Ron Sommers Managementqualitäten stellte sich bei uns im Rahmen unserer Diskussionen ein:
Ron Sommer arbeitet an und in loyalen Teamstrukturen und mit von ihm geschätzten MA, trifft eine gute MA-Auswahl mit einen gesunden Mix aus „alten“ erfahrenen und jungen MA, zeigt Offenheit für Kritik und Widerspruch durch MA und Akzeptanz für Vorschläge durch MA, er schätzt somit kritische starke Persönlichkeiten, dabei pflege er scheinbar eine Art „emotionale Führung“. Denn er bringt nicht nur die Dinge auf den Punkt, definiert und artikuliert klare Ziele, sondern er vermittelt offensiv Visionen für das Unternehmen (auch mit „Familienbildern“). Vielleicht doch ein individuelles Manko im Zusammenhang der Teamarbeit scheint seine Form von selbst verordneter „Unentbehrlichkeit“ zu sein, einer übertriebenen „Kontrollsucht“, wenn er – wie er uns sagt – z.B. auch im Urlaub nicht völlig loslässt und weiter im Arbeitsprozess der anderen (telephonisch) mitmischt.
Die Ziele bringt er (neben konkreten Arbeitsanweisungen) wie gesagt seinen MA in Form von Visionen nahe. Er ist jemand, der dadurch aber auch Werte vermittelt.Und er will laufend „bewegen“, etwas „umsetzen“, was seine konkreten Vorstellungen vom richtigen Weg und seinen Willen und seine Dynamik unterstreicht. Damit motiviert er – charismatisch – und zwar sowohl abstrakt wie auch konkret.
Ron Sommer wurde – kurz gesagt – von uns als visionär, begeisterungs- und motivierungsfähig und charismatisch eingestuft und entsprechend einer bestimmten NLS-Theorie als „transformationaler“ Managertyp; dabei stehen Charisma und die Fähigkeit mit Visionen MA zu motivieren und zu mobilisieren hier im Vordergrund. Er sei in gewisser Hinsicht (mit einigen wenigen hier nicht dargestellten Abstrichen vom Ideal) schlicht fast so etwas wie die personifizierte „Praxis“ dieser Hypothese und das nicht nur „einstudiert“, denn er wird von den meisten unserer Gruppe doch als sehr authentisch empfunden.

Man kann – so gesehen – wohl ohne allzu große Übertreibung vom ´Phänomen Ron Sommer` sprechen; denn immerhin war er bei der Privatisierung der Deutschen Telekom als „Führer“ ja quasi gescheitert, musste er doch nach nicht enden wollendem Druck von Telekom-Aktionären und der Politik seinen Vorstandsvorsitz zurücklegen. Doch wenn er heute über das Scheitern spricht, hat man kaum das Gefühl von Rechtfertigungsbedarf oder -versuchen. Ron Sommer erzählt vielmehr auch heute noch bildreich von den Visionen, die am Beginn eines – wie sich heute beweise – richtigen Weges standen. Seinen Visionen! Und er vermittelt uns, er hätte zudem noch die eine oder andere Idee im Ärmel, wenn man ihn nur ließe (oder gelassen hätte). Dass das bei seinen Mitarbeitern verfängt (bzw. verfangen hat) zeigt eine Episode während der Academy: so erzählt uns eine vormalige Mitarbeiterin einer Tochterfirma in Österreich, man habe schon immer sehnsüchtig auf die wöchentlichen ´Depeschen´ Ron Sommers aus der Zentrale in Deutschland gewartet und jede sei ein weiterer Motivationsschub gewesen, gemeinsam visionäre Ziele in der Zukunft anzustreben und zu erreichen. Sie sei stolz, dafür – mit ihm gemeinsam – gearbeitet zu haben und heute stolz, ihn von Angesicht zu Angesicht erleben zu dürfen, ansprechen zu können. Eine andere Episode zeigt, dass Ron Sommers Charisma auch den ´gemeinen´ Zuhörer nicht kalt lässt. So erzählt eine junge Frau ebenfalls bei der Academy im Small Talk, sie habe den Eindruck – beim tatsächlich auch rein äußerlich sehr gepflegt auftretenden Ron Sommer – gehabt, noch nie eine derartig weißes Hemd gesehen zu haben. Man muss das nicht blasphemisch als quasireligiöse Verblendung deuten; aber ein „strahlender Visionär“, der seinen MitarbeiterInnen und seinem sonstigen Auditorium eine „Mission“ vermittelt und sie damit motiviert und mobilisiert mit ihm zu gehen, das ist der Manager Ron Sommer ganz sicher.
Aber genau das ist wohl auch das, was ihm die Aktionäre in der von Ron Sommer nicht steuerbaren Talfahrt der Telekom-Aktie dann nicht verziehen haben; dass sie da auf einem ganz sicher scheinenden Erfolgsweg mitgegangen sind, Ron Sommer „geglaubt“ haben. Und dabei war´s letztlich nur eine ganz besonders gut „konstruierte Realität“, die mit der Wirklichkeit des Aktienhandels dann doch nicht (immer) Schritt halten konnte!

Waris Dirie (Topmodel aus Somalia und Kämpferin gegen FGM):

Fast ein Mensch wie Du und ich, aber Topmodel mit einer Mission und mit einer USP.
Waris Dirie hat sich vor einigen Jahren ganz und gar in den Dienst einer Mission gestellt, die für sie – aus leidvoller persönlicher Erfahrung – besonders wichtig geworden ist; nämlich dem Kampf gegen die in ihrer Heimat, wie in vielen anderen afrikanischen Staaten auch, aus vermeintlich religiöser Tradition (was von zahlreichen ReligionsexpertInnen bestritten wird) noch immer übliche „Genitalverstümmelung“ (FGM) junger Mädchen. Vom armen afrikanischen Nomadenmädchen schaffte Dirie durch Flucht bzw. Auswanderung nach Groß Britannien ab dem 18en Lebensjahr eine „phantastische“ Karriere als Topmodel im internationalen Modebusiness. Wie sie selbst schreibt aber durchaus mit dem nötigen Quäntchen Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das Ganze, bis sie 1997 – scheinbar von einem Tag zum anderen – beschloss, sich mit ihrer persönlichen Leidensgeschichte der FGM der weiten Welt zu „outen“, und so aus der „politischen“ Anonymität der Glamourwelt des Modelseins herauszutreten, um der „normalen“ Welt vom selbst erlebten und für tausende Frauen jedes Jahr weiterhin erlittenen körperlichem Martyrium zu erzählen. Zuerst möglicherweise allein aus persönlicher Betroffenheit, aber schon bald im Dienste einer „Mission“: zuerst Ihrer eigenen, hierbei nicht einfach nicht weiter tatenlos zuzusehen, und später dann auf Einladung der UNO als „die“ UNICEF-Sonderbotschafterin gegen diese atavistische Form ritueller Misshandlung, mit dem Auftrag der Aufklärung. Und neuerdings auch noch durch die Gründung eines eigenen Fonds gegen FGM, der aktive Aufklärung gegen dieses Ritual in Afrika leisten will. Wir Coaches von der AOL haben Waris Dirie zu uns eingeladen, weil wir von diesem besonderen Engagement beeindruckt waren. Weniger wohl aus Gründen ihrer sonstigen beruflichen Karriere als Model. Aber alle Welt kennt eben das Model Waris Dirie spätestens seit Ihrem Outing-Interview in der Frauenzeitschrift Marie Claire und durch das darauf folgende Millionen-Bestsellerbuch „Wüstenblume“, in welchem Sie ihren Leidens- und Lebensweg beschrieb. Seither ist alle (oder nahezu alle) Welt berührt von ihrem Leiden und dem Leiden hunderttausender betroffener Frauen. Dass dem so ist, beweist – etwas nüchtern im Marketingjargon gesagt – die „Nachfrage“; nämlich die der Medien und die der Veranstaltungswelt. Dirie ist – nahezu weltweit – mit diesem Thema omnipräsent. Allein in Österreich ist sie mehrfach im Jahr zu Veranstaltungen (mit mehr oder weniger politischem Aufklärungsanspruch) eingeladen. Und Waris Dirie hat mit ihrer Mission, ob sie will oder nicht, so etwas wie ein Unique Selling Proposition erreicht. Sie stammt aus einem der von FGM betroffenen Länder, sie ist selbst Betroffene, eine Betroffene, die zudem darüber sprechen will und kann, und sie ist noch dazu kein „No-Name“, sondern im Gegenteil nach wie vor vom Glitzer und Glamour des Modebusiness umstrahlt. Und nicht zuletzt ist sie tatsächlich auch eine „attraktive“ Frau, die gerne „gesehen“ wird, wer wollte das leugnen. Sie hat mithin, gemeinsam mit Ihrer Mission, einfach eine USP im Markt der politischen Aufklärung, wenn auch nur in einer Nische. Etwas was – vergleichbar – niemand sonst so hat. Und als Symbol der „Verkörperung“ westlicher Moderne als „exotisches“ Topmodel und zugleich als authentische Botschafterin ihrer Mission ist sie für „Konsumenten“ politischer Aufklärung unbedenklich. Auf diese Art und Weise betrachtet (zugegebener Maßen sehr, sehr nüchtern, aber nicht respektlos) hat sich unsere Seminargruppe dieser zweiten Karriere von Waris Dirie genähert. Aber Teil dieses Erfolges ist eben auch einfach gutes Business. Gerade das half uns dann auch, einen klareren, unverklärten Blick für die für uns in den Interviews erkennbaren wirklichen persönlichen Stärken und Besonderheiten des Menschen Waris Dirie zu behalten: Waris Dirie hat sich uns auch als ein einfacher und fast bescheidener Mensch mit einer großen, aber ruhigen inneren Stärke gezeigt, mit einer Zielstrebigkeit, die sich – wie sie selbst sagt – schlicht aus ihren wenigen großen sehnlichen Wünschen herleitet. Das ist sicher ein zentraler Motor ihres Erfolgs, und das in der "ersten" und der "zweiten" Karriere. Sie ist jemand, „die“ weder ausgetüftelte Karrierepläne verfolgt noch für für alle ungelösten Fragen und Probleme dieser Welt einfache Erklärungs- oder Lösungsmodelle parat hat. Nein, vielmehr hat sie für komplexe Sachverhalte oft überraschend einfache Erklärungen: so etwa auf die von mir in bildungsbürgerlichem Manierismus an sie gestellte Frage, welches Verhalten sie ausländischen Konzernen und Konzern-„Herren“ – sofern sie dort Geschäfte machen – raten würde: „Respekt“ gegenüber den Menschen und der Kultur der Menschen, deren Land sie als Fremde betreten und benutzen; das war da die bestechend einfache Antwort von Dirie. So einfach kann das manchmal sein! Waris Dirie hat jedenfalls aber sehnliche Wünsche und eine große innere Stärke, mit der sie jene beharrlich verfolgt; das eine oder andere Manko mag man so sicher auch wett machen. Ihr Erfolg in ihrem Engagement beweißt es jedenfalls eindrucksvoll.

Elisabeth Noelle[-Neumann] (Grande Dame der deutschen Meinungsforschung):

Eine professionelle Fragerin, ... eine professionelle Kommunikatorin?: Tiefeninterviews können eine heikle Sache sein, besonders dann, wenn man nicht weiß, was mit den Ergebnissen geschieht! Umso mehr verwunderte es unsere Members, dass die Grande Dame der Meinungsforschung sich uns bei dieser Academy of life – immerhin ihr zu Ehren – so ungern auf unsere Fragen einließ: Und das, obwohl genau das bekanntermaßen eben das Wesen unserer Academy of life ist: Das Lernen aus der Erfahrung von erfolgreichen Menschen, indem wissbegierige junge Leute an prominente Persönlichkeiten Fragen nach deren Erfolgsweg, -faktoren und -kriterien stellen. Fragen, die zwangsläufig immer ein wenig unter die Oberfläche der oft jahrelang gepflegten „Worthülsen“ der Persönlichkeits-PR gehen müssen, immer ein wenig kritisch-reflexiv sind, bei allem aber höflich und respektvoll. Die ansonsten professionelle „Fragerin“ Prof. Noelle muss da scheinbar etwas missverstanden haben, oder hatte schlicht Angst, dass wir mehr als Fassade von ihr zu sehen bekommen. Was wir erfahren ist, dass sie zum richtigen Zeitpunkt das Richtige – in den USA – gelernt hat, nämlich die Meinungsforschung, und dass sie es wagemutig, ehrgeizig und zielstrebig in den 50ern gemeinsam mit ihrem damaligen Mann als Erste institutionell in Deutschland verankert und in der Folge auch erfolgreich betrieben hat. Die heute 86-Jährige hat es damit immerhin in Zeiten zu Ruhm und Anerkennung geschafft, wo das – zumal für Frauen – und in diesem Business (Politik, Wissenschaft) nur ganz, ganz wenigen vergönnt war. Und sie war dabei stets mit den Einflussreichen Ihrer Zeit auf Du und Du. Dass auch Beziehung Teil des Erfolges sind, dass auch Netzwerke und die Protegierung von loyalen „Jüngern“ Teil dieses Erfolges sind, können wir aus der Biographie und einzelnen Aussagen Noelles jedenfalls annehmen. Wie wichtig Netzwerke für sie sind, belegt sie uns mit einer mitgebrachten – scheinbar selbst angefertigten – Landkarte Deutschlands, auf der die Verteilung „ihrer Leute“ auf bedeutenden Lehrstühlen und Instituten eingezeichnet ist. Auf die allgemeine Frage, was ihr Beziehungen bedeuten, reagiert sie dennoch nahezu reflexartig ablehnend und ausweichend: gar nichts! Manche von uns haben den Eindruck, sie habe dabei (menschliche, private) Beziehungen mit dem Buhwörtern „Protektionismus“ oder "Nepotismus" verwechselt. Dass sie ihren Erfolg selbst als außergewöhnlich einschätzt, lässt sie uns beim Interview wissen, in dem sie mehrfach – mit der erhobenen, kopierten Belegkopie – auf die besonders umfangreichen Einträge von Auszeichnungen und Orden in „Kürschners“ Gelehrtenlexikon hinweist. Gelegentlich gar, um damit – wie es scheint – (eigentlich nicht sonderlich kritischen) inhaltlichen Fragen zur Meinungsforschung oder zu ihrer Theorie der „Schweigespirale“ die Legitimation der Frage zu nehmen. Ein wenig allzu selbstgefällig, wie wir in der Gruppe das interpretieren. Was wir, d.h. die 15 Members des Departments für Kommunikation, an Prof. Noelle trotz aller kommunikativen Schwierigkeiten an Erfolgs- und Persönlichkeitskriterien sehen, bleibt so holzschnittartig und lässt sich verkürzt mit der Formel„zielstrebig“, „egozentrisch“ und „beziehungsarm“ umschreiben. Positiv bzw. interessant für den eigenen Lebens- bzw. Karriereweg fanden wir folgende (vermeintliche) Eigenschaften oder Verhaltensweisen: vom Ziel nicht abweichen – ein Ziel vor Augen haben – Kritik aushalten – Beharrlichkeit – Zielstrebigkeit / Orientierung – vom „klaren“ Ziel überzeugt sein – seinen Weg gehen – den Fokus aufs Ziel, nicht auf den Weg richten – Verfolgung eigener Interessen – Konsequenz – Selbstbewusstsein – zielstrebiges und hartes Arbeiten für den Erfolg – nicht den bequemsten Weg gehen – Gewissenhaftigkeit – aktiv bleiben bis ins hohe Alter – Risikobereitschaft – Forschungsdrang – Beziehungen nutzen – Grenzen kennen – aber auch: ausreichend Schlaf. Was uns für uns selbst weniger vorbildlich erschien, bzw. was wir so nicht, oder eben anders machen wollen: Fehler soll man sich eingestehen können –von kontroversiellen Meinungen auch lernen können –– Extrempositionen nicht „stur“ als Image verteidigen – Kritisches nicht hören wollen – schweigen über „kritische“ Themen – ausweichende Antworten geben – reine Sachorientierung bzw. Menschen zu Objekten machen – persönlich so „unverbindlich“ zu sein – Einzelgängertum – Einzelkämpfertum – eigensinnig und eigenbrötlerisch sein – Leben bzw. Ruhm bzw. Erfolg nicht mit anderen zu teilen – Beziehungen nicht wichtig zu schätzen – Privatleben und Freunde nicht zu schätzen – Arbeit als einziger Lebensinhalt – nicht loslassen können – nicht selbstkritisch sein können. Zugegeben, ein insgesamt wenig facettenreiches und zudem wenig schmeichelhaftes Bild. Aber wir hatten für unsere „Analyse“ diesmal nur eine sehr dünne empirische Datenbasis, sieht man vom „toten“ Papier einer offiziellen Biographie oder dem Eintrag ins „Gelehrtenlexikon" ab. Denn dieses Tiefeninterview blieb Oberfläche. Und das lag vermutlich weniger an ungeschickten oder gar respektlosen Fragen, als vielmehr daran, dass sich die Befragte ganz und gar nicht auf uns und unser aufrichtiges und ehrliches Interesse einlassen wollte. Woran man das sehen konnte?: Als ich im Mittagsinterview als Moderator aufgrund der mehr und mehr offensichtlich werdenden „beredten“ Abwehrhaltung gegenüber unseren Fragen einen Rollentausch vorschlug, und Frau Noelle die Möglichkeit gab, uns ihrerseits „ihre“ Fragen zu uns und zur Academy zu stellen, nützte sie dies nur zu paradoxen, nicht-kooperativen Äußerungen, irgendwie so, als wollte sie sich über dieses ´Fragespiel´ lustig machen und dessen Sinnhaftigkeit in Frage stellen. An uns selbst und am Unterfangen der Academy of life schien sie kein besonderes Interesse zu haben. Auf die Ergebnisse der Meinungsforschung übertragen muss man so gesehen hoffen, dass die Statistik bzgl. der Repräsentativität der Ergebnisse von (Um-)Fragen Recht behält, und inhaltsleeres oder paradoxes Antworten eben nur so etwas wie die vernachlässigbare Ausnahme von der (Kooperativitäts-)Regel der Kommunikation sind. Aber gelegentlich hat man halt einfach Ängste oder Vorurteile gegenüber Fragern!

Donna Leon (Erfolgskrimi-Autorin):

Zwischen Plan- und Ziellosigkeit, verstecktem Fleiß und Ehrgeiz, fachlichem Understatement ... und der Barockoper: Sie wollte nie "was werden", jedenfalls nichts "Höheres", wollte im Leben bloß Spaß haben, lesen, Musik hören, einfach Freude am Leben haben. Zurückblickend habe sie genau genommen in ihrem Leben öfter das Land ihres Aufenthaltes geändert, als sonst irgend etwas an ihrem Leben und ihren Vorlieben. Berufe seien ihr - wie auch das Krimischreiben selbst - in mehr oder weniger glücklicher Fügung eher ´passiert´. Irgendwann hat sie einen Vertrag für zwei Bücher bekommen, hatte aber noch gar keines geschrieben. Später habe sie einfach drauf los geschrieben und man hat ihr Buch - zu ihrer Verwunderung - auch begeistert aufgenommen. Seit dem schreibe sie. Fast jedes Jahr ein Buch, und das locker von der Hand in wenigen Monaten versteht sich. Nein, wie viele Bücher verkauft und in welche Sprachen der Welt diese schon übersetzt wurden, das wisse sie nicht. Das macht alles der Verlag. Nein, Manager habe sie keinen, der Verlag sei ja ehrlich. Wie sie plane; gar nicht! Was sie interessiert ist, wann wo in Europa die nächste Oper, die nächste Barockoper aufgeführt wird und ob sie dort sein kann. Sonst nichts! Das nutze dann der Verlag, in dem er sie zum Buchsignieren und zur PR verplant. Geld habe sie, es sei ihr aber nicht wichtig; (Wert-)Gegenstände bedeuten ihr nichts; solange genug Geld für die Oper da ist, ist alles ok. Woher sie wisse, was gute/schlechte Literatur ausmacht, hat sie (die Literaturprofessorin) einmal ein Freund gefragt: ´Wer viel liest, weiß das einfach´, ganz so wie jemand, der viel Musik hört oder verschiedene Weine trinkt. Wie sie Bücher schreibe: Tja, sie beginnt einfach (planlos). Schreiben mache Spaß, sie beginne einfach mit dem ersten Kapitel, wisse nicht, wie sich die Story entwickelt, das geht dann schon von selbst. Ganz so "bewußtlos" schreibt sie offensichtlich dann aber doch nicht; denn auf die Frage nach Do´s and Dont´s für einen guten Krimi sprudelt es dann rasch und im Unterschied zum bisherigen Gesprächsverlauf recht ausführlich und konzise aus ihr heraus: Eines der wichtigsten Dinge sei es, den Leser als Erzähler nicht zu bevormunden, (höfliche) Distanz zu ihm zu halten und ihm nicht etwa herablassend zu erklären, was nun Sache ist: "To keep in mind a healthy respect for the reader, not to insult the readers intelligence", aber zugleich "to maintain a tone which creates a certain sympathy between the reader and the book". Denn es sei besser, den "Bösen" als Bösen zu belassen und ihn nicht -entgegen der erwartbaren Haltung der Leser - zum Heroen zu stilisieren. Man müsse vielmehr (zumindest) durchblicken lassen, dass man das Böse ebenfalls ablehne. Eine andere wichtige Sache des Autors sei es, "to keep them (the readers) turning pages". Wie das genau gehe führt sie aber nicht weiter aus. Und zu guter letzt sei ein gewisser "Anstand“ auch beim Schreiben notwendig. Man hüte sich beispielsweise vor plumpen, vulgären Vergleichen, die die Leser verletzen oder negativ berühren könnten. Denn, "once you offend the reader ... they are gonna close the book." Das sei ja schon eine Literaturvorlesung meint der Moderator: Nein, in 5 Minuten ließe sich das wohl nicht machen, meint Leon. Wie gesagt: hier erfahren wir in 5 Minuten ungleich mehr übers Thema erfolgreiche Krimi-Schreiben als in 3 Stunden Interview über den Lebens- und Erfolgsweg der Person Donna Leon. Im Resümee unserer Gruppe spiegelt sich diese Oberflächlichkeit wieder: für viele ist ihre vorgegebene Plan- und Ziellosigkeit als erfolgreicher Mensch anziehend und abzulehnend zugleich; als Maßstab für den eigenen Erfolgsweg, versteht sich! Lernen kann man von Donna Leon, dass man nie aufgeben soll, dass man aus den unterschiedlichen Schicksalsläufen des Lebens mit einer positiver Grundeinstellung jedenfalls "irgendwas" machen kann. Und Spaß als dazugehöriges Lebensmotto goutieren natürlich mehr oder weniger alle von uns. Aber muss es den ausschließlich der Spaß mit einem einzigen, manischen Hobby - der Barockoper - sein? Das ist dann doch für die meisten von uns nicht wirklich gut nachvollziehbar.
Während wir uns 5 Stunden an der Person Leon abmühten, um letztendlich nicht allzu viel Lebenspraktisches von ihr zu lernen, schaffen wir es in nur 1 ½ Stunden doch immerhin ziemlich erschöpfend der Frage nachzugehen "Wie schreibe ich einen (guten) Krimi?". Drei Seiten Zusammenfassung eines Online-Krimi-Workshops mit den wichtigsten "Do´s and Dont´s, ein paar Ausführungen Umberto Ecos über seinen Krimi "Der Name der Rose" und ein 10-seitiges Krimifragment von Donna Leon aus "Aqua alta" sind unsere Basis, es einfach mal selbst auszuprobieren. Und die Ergebnisse erstaunen uns alle: Kaum eine Stunde war nötig, um sowohl in den sprachlichen Stil des Krimis (in der Art Leons) als auch in die stilgerechte Ausführung eines Krimi-Handlungs-Plots einzusteigen. Von "Perfektion" natürlich keine Rede. Wie das ausschaut? Phantastisch finde ich. Aber, urteilen Sie doch selbst:

Krimi-Versuch "Falsche Freunde": von Gruppe Sigmund / Altmann u.a.
Handlung des Krimi-Fragments von Leon:
Commissario Brunetti findet im Lauf der Recherche zu einem andern Mord den drogensüchtigen Zecchino und eine junge Frau auf äußerst brutale und bestialische Art und Weise aufeinander liegend "totgeschlagen" in einem venezianischen Abbruchhaus auf. Das Mädchen hatte - wie die Untersuchung später zeigt - noch fremdes Blut im Mund. Und, beide, sowohl Zecchini als auch das Mädchen waren HIV-positiv. (…) Schreibprobe 1: "Brunetti hörte vom Canale Grande die Signalhörner der Vaporettos. Mittlerweile war es schon dunkel geworden. Paola war sicher schon von der Universität zurück und obwohl sich der Anblick der beiden Leichen auf seinen Magen geschlagen hatte, merkte er nun nach und nach, dass er Hunger hatte. Gestern war er auf den Fischmarkt gegangen, um bei Fabio Branzino zu kaufen. Der wartete nun zusammen mit seiner Frau auf ihn. "Mit leerem Magen kann ich sowieso nicht nachdenken", flüsterte er, als er den Lichtschalter nach unten kippte. Es hatte in den letzten Tagen viel geregnet, so dass jederzeit Auqa alta drohen konnte. Brunetti packte deshalb die Gummistiefel ein, von denen er - jedes Mal, wenn er sie trug - Blasen an den Füßen bekam, und machte sich auf den Heimweg. "Ciao Paola", als er die Tür öffnete drang ihm schon der Geruch von gebratenem Fisch in die Nase.
... Plot-Fortsetzung: Dialo mit Paola über die Drogensucht der jungen Leute/ Thema Aids: Erinnerung, wie sie selbst jung und verliebt waren. Schreibprobe2: "Brunetti griff zum Telefonhörer, um Carlo anzurufen. Carlo war Redakteur des "Corriere della Venezia" und arbeitete in der Chronik-Redaktion. Sie waren seit Jahren befreundet und halfen sich gegenseitig, so oft es ging. Deshalb lieferte ihm Brunetti von Zeit zu Zeit Exklusivgeschichten, um auf der anderen Seite die Quelle von Carlos Wissen anzuzapfen. "Ciao Carlo. Ich weiß nicht, ob du es schon weißt, wir haben aber wieder einen Doppelmord. Offensichtlich haben die beiden Verbindungen zum Drogenmilieu. Wir werden erst morgen eine kurze Aussendung rausgeben. Wichtiges Detail am Rande: Beide sind HIV-positiv! "Kann ich das so schreiben", antwortete Carlo und schenkte sich noch ein Glas von seinem Barolo ein. "Du sollst das sogar schreiben", antwortete der Commissario. "Was dir noch besser gefallen wird: Das Mädchen hat den Mörder gebissen - das heißt, er könnte jetzt auch positiv sein." "Aha, Guido, ich darf wieder einmal den Köder auslegen", konterte der Journalist, während er schon zu den Tasten seines Computers griff . . ." Handlungs-Plot (Fortsetzung): Die Ärzte des Viertels werden aufgefordert, zu melden, wer Aids-Tests aufgrund von Bisswunden macht. Ein Erfolg zeichnet sich ab - es hat sich ein Mann mit einer Bisswunde am Arm gemeldet. Ein Geschäftsmann, der von einer Prostituierten gebissen wurde, geht ins Netz - Enttäuschung!!! Aber: Bei seinen Recherchen findet Brunetti heraus, dass Ross - ein ehemaliger Kollege aus dem Drogendezernat-– schon ein paar Mal mit Zecchino zu tun hatte. Er geht der Sache nach. Zu einer abermaligen Befragung der dem Tatort nächstgelegenen Anrainer geht er gemeinsam mit einem Kollegen aus dem Drogendezernat. Einer der Bewohner fragt Brunetti, warum die Polizei so oft hier sei - der zweite Kollege wäre ja schon am Tag des Mordes in der Gegend gewesen. Das irritiert Brunetti. Er beschattet den Kollegen und sieht, dass sein Arm verbunden ist. Er stellt ihn in dessen Haus wo es dann zum Showdown kommt. Motiv: Zecchino und das Mädchen waren Drogenkuriere und haben Heroin abgezweigt. Der Drogenfahnder wurde mit dem Mord beauftragt. Brunetti weiß, dass die Polizei noch nicht gesäubert ist. Es gibt noch mehrere Beamte im Dienste der Mafia, aber es wird noch dauern, bis er sie aufgespürt hat.

Sir Peter Ustinov (Schauspieler, Buchautor, Dramatiker, Multitalent):

Ustinov ironisch betrachtet!: Humor und Ironie sind das Markenzeichen Sir Peter Ustinovs. Darauf müssen wir uns in der Gruppe Kommunikation nicht erst lange einigen und sammeln deshalb schnell unsere Eindrücke: Ustinov nimmt sich Raum und Zeit für seine Kommunikation, hat Struktur im Gespräch, verliert selten den roten Faden an dessen Ende er dann regelmäßig auch noch irgend eine Pointe anbringt, uns zum Lächeln oder Lachen bringt, und zum Nachdenken. Bei Fragen, die ihm nicht behagen, ist er ein Meister des eleganten, des charmanten Ausweichens und sagt dennoch was er denkt, ohne vor den Kopf zu stoßen, nicht immer aber politisch korrekt. Aber man würde ihm wohl viel verzeihen . Denn das alles erfolgt zumeist ja nur auf "uneigentliche" Art und Weise, wortwitzig, wortspielerisch, mit Anspielungen, Geschichten und Vergleichen, zudem mit seinem Sprachen- und Stimmtalent garniert, mit Gestik und Mimik, in Grimassen, mit Imitationen und Karikaturen spielend. Humor und Ironie setzt er laufend gezielt ein, hat zu scheinbar allem eine mehr oder weniger kritische Haltung, obwohl er selten etwas direkt wertend sagt. Dadurch wirkt er gebildet und redegewandt, humorvoll und kritisch zugleich und deshalb tolerant. So weit unser erster Eindruck zu seinen beeindruckenden kommunikativen Kompetenzen: Je weiter wir allerdings fortschreiten, desto mehr andere und immer mehr kritische Eindrücke und Fragen tauchen auf. Alter und Nimbus von Sir Peter ist wohl eine der Voraussetzungen für seinen ironischen Umgang mit allem und jedem. Wer von uns Jungen könnte sich das leisten, ohne sofort als präpotent und überheblich zu gelten? Ist das, was wir sehen, wirklich authentisch, oder ist Sir Peter vielleicht bloß eine Kunstfigur? Haben wir nicht einfach nur der Sir-Peter-Ustinov-Show beigewohnt, und wurden professionell aus einem Koffer voller ironischer und humorvoller Äußerungen vom Meister der sprachlichen "Verpackung" bedient, wobei wir gleichzeitig ein dankbares Publikum waren, das zu hören bekommen hat, was es eigentlich nur selbst hören wollte? Was waren da noch die Botschaften des Menschen Ustinov .? Je weiter wir in unserer Analyse zum seinem (wahren) Wesen vordringen wollen, desto unsicherer werden wir, zu wissen, wer Sir Peter nun wirklich ist. Geredet hat er im Abendinterview viel, gesagt wenig, 10 % Sachinformation und 90% Emotion, meint dazu einer aus unserer Gruppe. Und das Mittagsinterview?: hat den langsam geknüpften gordischen Knoten nicht gelöst, eher noch ein wenig weiter festgezurrt. Sir Peter ist leider müde, unkonzentriert und wirkt, als fühle er sich unwohl, körperlich und in der Rolle des nach seinem wahren Wesen Befragten. Ironie blitzt dennoch hin und wieder auf, doch diesmal sind auch wir - so scheint es -die ironisch kritisch Angesprochenen, vielleicht die für Ustinov einfach nur zu lästigen Frager. In der Nachbearbeitung beschäftigen wir uns abschließend noch ein wenig auch theoretisch mit dem Thema: Ironie (von griechisch eironeia, für erheuchelte Unwissenheit) ist eine Art transparenter Verstellung, die durch Gesten, Mimik, Intonation, also durch bestimmte Ironiesignal oder aber schlicht durch die offensichtliche inhaltliche Inkompatibilität des Gesagten in einem bestimmten Kontext bzw. hinsichtlich der angenommen Einstellungen des Sprechers erkennbar wird. Ironie ist dabei eine Redeweise, bei der das Gegenteil des wörtlichen Gesagten gemeint ist, oder einfach etwas anders gesagt als gemeint wird. Sie ist eine Art impliziter Kommentar, dient als Möglichkeit der indirekten Wertung, der indirekten Einstellungskundgabe und bringt daher insbesondere bei potentiell konflikthaften Themen und Gesprächssituationen soziale und kommunikative Vorteile für den Sprecher. Zudem hat die Ironie eine ähnliche Grundstruktur wie der Humor, denn die Auflösung der Doppeldeutigkeit hat wie beim Witz eine komische Wirkung. Wer geschickt ironisch agiert, beweist dadurch Kreativität und Phantasie. Ironie hat so auch eine unterhaltsame und ästhetische Note. Sir Peter Ustinov stellt, wie wir abschließend feststellen, häufig seine sprachliche Raffinesse und damit seine künstlerische Ader und zugleich seine Bildung unter Beweis. Humor und Ironie ist ein von ihm ausgiebig genutztes Mittel für feinen, mehr oder weniger verdeckten Spott gegenüber Gott und der Welt. Eine unterhaltsame Art, Problematisches durch die Blume zu sagen. Aber Ironie kann - wird sie wie bei Ustinov an einem langen Abend im Gesprächsverhalten überstrapaziert - bald als bloß schöne Hülle, als leere Verpackung erscheinen. Und dann macht sie den Sprecher eher unglaubwürdig, lässt einen schnell oberflächlich und nur in die eigene Sprach- und Kunstfertigkeit verliebt erscheinen. So, als hätte man in Wirklichkeit sonst nichts Substantielles zu sagen und vielleicht Angst davor, mit explizit Kritischem einmal von den Adressaten nicht bewundert und "geliebt" zu werden.
Und weil wir davon ja etwas für uns lernen wollen, üben wir zum Abschluss dann selbst noch kurz an ironischem Texten unter dem Motto: Sir Peter Ustinov in der Academy of life, ironisch betrachtet.
 
Zwei Beispiele dazu: "Academy of life, 2002: Ein nicht mehr ganz jugendlicher Sir Peter Ustinov gewinnt mit einer stürmischen Ankunft die Herzen aller Mitglieder der academy-of-life. Aller Members? Nicht ganz, denn eine kleine Gruppe unbeugsamer Kommunikationsexperten lässt sich nicht blenden von den wenigen ironischen Wortwitzen des unstudierten Ehrendoktors und blickt gezielt hinter die Kulissen der Bühne von Ustinovs Lebens. Selbst eine überlegene Diskussionsführung (der Abend- und Mittags-Interviewrunden mit Sir Peter Ustinov) kann nicht vom wahren Gesicht des uneingeschränkt vorurteilslosen Mannes ablenken. ..."(Aol-Member: Gernot Marecek) "Am 26. und 27. September fanden im Rahmen der Siemens Academy of Life ein Galaabend und ein anschließender Workshoptag mit Sir Peter Ustinov statt. Die Veranstaltungen wurden vom ORF-Chefarchivar Hrn. Dusek moderiert, der ebenso durch eigenwillige Interpretationen von Fragen an Sir Peter wie auch durch originelles Zeitmanagement brillierte. Im Workshop wurden die Äußerungen von Sir Peter, die das gesamte Weltgeschehen vom Dalai Lama bis zu George W. Buch abhandelten, gründlichst analysiert, zerlegt, seziert und von allen Seiten durchleuchtet. Hr. Ustinov und die Members der Academy haben diese Prozedur ohne bleibende Schäden überlebt." (Dieter Gally, AoL-Member)

Hugo Portisch ( TV-Star-Kommentator, Österreich):

Wie Hugo Portisch sprechen!: Die Hugo Portisch eigene verbale und nonverbale Ausstrahlungskraft ist ein zentrales - wenn nicht gar das - "Markenzeichen" von Hugo Portisch, die das Team des Departments für Kommunikation auf der Suche nach den Erfolgsfaktoren des Starjournalisten von Beginn an beschäftigt. Denn Hugo Portisch nimmt sein Publikum ein; egal ob - seit Jahrzehnten - mit seinen Fernsehkommentaren das österreichische Fernsehpublikum, oder aber einfach den Zuhörerkreis bei der Academy of life, wo es zur Abwechslung einmal um ihn als Person selbst geht, und das, obwohl er das eigentlich gar nicht mag, wie er uns das eindringlich (aber nicht kokett!) mehrfach versichert. Wie er bei uns ankommt?: Er ist ein angenehmer Erzähler, erzählt nette Geschichten und Anekdoten, hat eine "positive Art" und Humor, selbst sein Mimik wirkt erkennbar fröhlich, sein Augen leuchten und er strahlt Energie aus, begeistert, regt an, macht neugierig - "man könne sich ihm kaum entziehen" - und das alles natürlich mit seiner unverwechselbaren Gestik. Alles Reden geschieht mit dem dem Hugo Portisch eigenen Nachdruck. Der Oberkörper bestätigt die Wichtigkeit des Inhaltes, Arme und Hände "betonen" noch zusätzlich das ohnehin schon mit stimmlicher Emphase hervorgehobene Gesagte; betont wird also verbal, stimmlich und körperlich - d.h. gestisch und mimisch - zusammen. Daraus spricht potenzierte Energie! Auch wenn man noch gar nicht genau hingehört hat, was er gesagt hat, es scheint auch so wichtig zu sein . der Sprecher jedenfalls scheint überzeugt von der Bedeutung, hat so etwas wie "Sendungsbewusstsein". Was er sagt klingt wichtig und überzeugend. Dabei besticht er inhaltlich - hört man genau zu - durch sein umfassendes Hintergrund- und Detailwissen. Gleichviel wie weit Ereignisse historisch schon zurückliegen, er weiß es hautnah darzustellen, und es scheint, er kennt Gott und die Welt (ohne in die Nähe der Unsitte des eitlen Namedropings zu kommen). Einmal in Fahrt, ist er nicht mehr aus dem Konzept zu bringen, Inhalt reiht sich an Inhalt, Erklärungen der Zusammenhänge des Weltgeschehens werden schon mal weiter ausholend und detailreich erläutert. Den roten Faden aber verliert er nie, kommt immer wieder zum Punkt zurück. Die Sprache des Hugo Portisch selbst empfindet unsere Gruppe als dennoch leicht und klar verständlich, oftmals bildhaft und anschaulich (ohne phrasenhaft zu sein), "eine Sprache, die jeder versteht". "Charisma" bzw. "Sympathie", "natürliche Autorität" und "Überzeugungskraft (durch solide Sachkenntnis)" das sind die Faktoren, die das Publikum einnehmen und überzeugen, meint Hugo Portisch explizit auf unsere Nachfrage. Warum er das tut? Er wirkt grundneugierig, er will wissen und will bewegen und "aufklären", wie er selbst sagt. Dabei ist er kein Schwarzmaler, gelegentlich gar ein wenig zu viel Optimist, scheint es. Der Österreich-Psychologe Erwin Ringel hat ihn einmal gar als "Harmonisierungsweltmeister" bezeichnet, und tatsächlich sind seine Fernseh-Kommentare - von denen wir drei auf Video analysieren - nie bedrohlich oder ängstigend, lassen eher Hoffnung und Zuversicht aufkommen. Aber vielleicht ist er damit ja bloß der positive Antipode zum heute so modernen -ohnedies vorhandene - Ängste verstärkenden Sensationsjournalismus oder dem Ressentiments verstärkenden Populismus der Politik. Was unsere Gruppe für sich von Hugo Portisch mitnimmt ist v.a. das Positive, das Neugierige, das Energiegeladene, das Ausstrahlen von Kompetenz und Engagement und die starke Identifikation mit dem eigenen Tun. Denn das macht ihn - authentisch - überzeugend. Was viele von uns weniger goutieren, bzw. wovor sie sich selbst hüten wollen, ist die offensichtliche Rastlosigkeit von Hugo Portisch, diese - wenn auch positiv verwertete - Unruhe, deren Folge aber nicht nur Erfolg ist, sondern das scheinbar gänzliche Unterordnen des Privaten unter das berufliche Tun. Übrigens: Wir haben nicht nur analysiert, sondern auch Hugo Portisch als Kommentator nachgespielt; es würde hier zu weit führen, nachzuerzählen, wie schwer das war ..

Vivienne Westwood (englische Star-Modedesignerin):

Keine Kommunikation mit Mode und Vivienne Westwood?: Nein, sie ist kein Kommunikationstalent, ihr Erfolg muss anderswo gesucht und vielleicht auch gefunden werden. Vivienne Westwood  ist weder verbal noch nonverbal ausdrucksstark, im Sinne der sozialen, menschlichen Ausstrahlung kaum greifbar. Sie erklärt nichts, kann oder will nichts erklären. Weder was sie genau tut, noch was ihr Schaffen aussagt, bewirken soll. Alles sei lediglich verstehbar aus der Geschichte, Geschichte sei alles. Anstatt intellektueller Erklärungen, spricht sie vage und oft von "Ideen", die die Welt bewegen (sollten). Warum man ihr Mode kaufen oder mögen soll? Ganz einfach: "the people really love my clothes .". Sie wirkt insgesamt müde und mit fortlaufender "Befragung" unkonzentriert, fragt bei einfachsten Fragen mehrfach nach, um sie dann trotzdem nicht zu beantworten. Wie sie ihre MitarbeiterInnen (kommunikativ) motiviert wollen wir weiters wissen, aber auch das bleibt eigentlich unbeantwortet: Diese seien sicher nicht besonders gut bezahlt, aber sie haben wahrscheinlich Spaß daran, einen kreativen Job zu machen ... Wie sie ihre Mode promotet?: "I am the ambassador of my product(s) ", auch hier erfahren wir wenig mehr über das, was ihren Beitrag zu ihrem Erfolg ausmacht. Zeitgleich zur Veranstaltung berichtete unser Medienkooperations-Partner, der Standard, dann in einem Bericht zum Interview mit Westwood vom Vortag von einer faszinierenden Frau, die präzise denkt, genau weiß, was sie will bzw. tut, was ihr Können und ihr Wert ist, und auch weiß, was in der Welt der Mode und Kunst vorgeht usw. Wir bekommen im Standard das Bild einer großartigen Designerin und ihrer faszinierenden Kunst, einer Künstlerin, die abseits von Routinen des big Business der Modewelt steht und - dennoch - beeindruckenden Erfolg hat. Vivienne Westwood ist - wie sie hier dargestellt ist - eine starke, zielorientierte Self-Made-Frau und ein Enfant Terrible in dieser Mode-Welt, die sonst nur dem ökonomischen Diktat gehorcht. Hier schillert uns eine Vivienne Westwood entgegen, wie viele von uns sie - möglicherweise - schon zu kennen glaubten, bevor wir sie noch persönlich kennen gelernt haben. Vermittelt durch die Bilder der Medien eben. Ein Bild, eine Projektion vielleicht, die andere in die "schrille" Designerin und ihr Tun bloß hinein-schreiben. Auch das könnte letztlich ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Prominenz von Vivienne Westwood sein. Was die Persönlichkeitsmerkmale ihres Erfolgs, was ihr eigener Anteil daran ist (z.B. im Bereich Kommunikation ), das hat sie uns - zumindest diesmal - nicht vermitteln können.

Helmut Schmidt (Alt-Bundeskanzler der BRD, Politiker):

"... dass ich gelegentlich auf andere arrogant wirke, ...das werde ich wohl ertragen müssen":  Ein blendender Rhetoriker zwischen Anspruch und Wirklichkeit! In den verschiedensten Kommentaren und Biographien zur Person Helmut Schmidts wird immer wieder auf dessen herausragende rhetorische Qualitäten hingewiesen. Er sei ein „redegewandter, scharfzüngiger Vortragender und Debattierer“, eine brillianter politischer Redner und herausragender Rhetoriker. Maßvoll, ziel- und ergebnisorientiert zugleich. Ein überlegter Redner, der weiß was er will und was er sagt.Das Studium von Videoaufzeichnungen zeigt – auch für die StudentInnen des AOL Departments für Kommunikation - Helmut Schmidts Sprachkompetenz in unterschiedlichsten Situationen der Politik und des Alltags, dessen herausragendste und augenscheinlichste sprachliche Fähigkeit die sprechtechnische Inszenierung zu sein scheint . Das Studium der Aufzeichnungen zeigt sowohl einen temperamentvollen, gelegentlich „ungestüm attackierenden“ Oppositionspolitiker Schmidt der 50er und 60er Jahre, für den man damals das Etikett „Schmidt Schnauze“ findet, und es zeigt auch einen ruhigeren und gemäßigten, in der Sache aber nach wie vor auch besonders hartnäckigen Staatsmann Schmidt. Die Selbstüberzeugtheit in der Sache und die Vehemenz im Anspruch um die Durchsetzung der eigenen Ansichten wird zugleich aber immer wieder als eine Art „Arroganz“ gegenüber den politischen Kontrahenten empfunden. Auch eine Rhetorik ad personam, die abseits der Sache auch die Integrität der Kontrahenten angreift, ist Helmut Schmidt aber nicht fremd. Legendär sind die Duelle Schmidts mit Franz Josef Strauß, die sich in dieser Hinsicht gleichermaßen nichts schenkten, bekannt ist auch der oft herablassend anmutende Umgang mit Helmut Kohl. Dem Akteur Helmut Schmidt steht in Sachen Rhetorik aber auch ein Theoretiker gegenüber. Das Wichtigste der (erfolgreichen) politischen Rede sei die Substanz, seien Lösungsangebote, sei Konzeptionskraft. Wichtig sei aber auch die Art der Darbietung , die Gestik, die Mimik und die Kunst, seine Stimme zielgerichtet einzusetzen. Deshalb müsse der Politiker immer auch ein wenig Schauspieler sein. Das Fernsehen brächte aber auch die Gefahr der Überbetonung dieser Wirkung und der Macht der Bilder, die beim „Publikum“ oft besser anschlage, als der sachliche Inhalt: erfolgreich etwas so zu erreichen, sei etwas anderes, als zu überzeugen. Hier zeige sich leider eine der Gefahren der Demokratie, nämlich die der Demagogie.
Wie er denn mit diesem Dilemma selbst umgegangen sei, war dazu eine der Fragen an ihn:
Ja, es sei wohl für den Erfolg notwendig, dass man hier Kompetenzen mitbringe, oder aber, man müsse (und könne) eben erlernen, wie man „etwas über die Rampe bringt“. Dafür sei sein Mentor und Fachkollege, der spätere Wirtschafts-Minister Schiller ein gutes Beispiel; er – fachlich brilliant, aber rednerisch eine Katastrophe - habe erst derlei Qualifikationen anlernen müssen, sei aber später auch eine brillianter  Rhetoriker geworden. Clinton hingegen habe das Schauspielerische wohl auch weit überbetont, wie Schmidt etwas abschätzig meint. Und es sei wohl tatsächlich eine Art Dilemma, denn es läge in diesem Phänomen eben auch die Gefahr und Versuchung für Politiker opportunistisch zu agieren. Deshalb sei es auch Teil der eigenen Verantwortung des „Publikums“, der „Konsumenten“, sich nicht davon verführen zu lassen. Das sei eine Frage der Selbstdisziplin und damit letztlich der Erziehung.
Hier – wie auch in zahlreichen anderen Fragen des Departments für Kommunikation - zeigten sich aber auch zahlreiche Widerspruche zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei Helmut Schmidt: Redekunst sei notwendig und sinnvoll, er halte aber nichts von rhetorischen Trainings, man müsse einfach authentisch sein. Diskutieren und Disputieren soll man vor allem substantiell, überzeugen inhaltlich, die wahre Wirkung bringe aber oft die Schauspielkunst und die müsse man eben auch beherrschen. Zahlreiche Videoaufzeichnungen zeigen einen rhetorisch brillianten, sachlichen Redner Helmut Schmidt, andere einzelne zeigen Helmut Schmidt hart an der Grenze eines demagogischen Brandredners agierend, oder zumindest, und das häufiger, einen Helmut Schmidt, der sprachliche gesehen – wenn auch mit feiner Klinge - nicht besonders zimperlich mit seinem Kontrahenten umgeht, oft weitab von sachlichen Auseinandersetzungen.
Die Selbstüberzeugtheit in der Sache (in seinen Ansichten und in seiner „Moral“) scheinen so oft im Handeln das eigene Wollen zu konterkarieren. Die Frage einer Departmentgruppe, warum er denn einen derart arroganten Eindruck hinterlasse, wenn er doch Vorbild sein wolle, bekommt so vielleicht eine recht einfache Erklärung ....

Prof. Anton Zeilinger (Experimentalphysiker mit Weltruf, Österreich):

Nichts dem Zufall überlassen (können): Die Eindrücke innerhalb der Gruppe sind überwiegend positiv: Herr Zeilinger wirke locker, offen, kommunikativ, sympathisch und bescheiden - und das authentisch. Er sei ein hervorragender Kommunikator. Komplexes könne er anschaulich darstellen und erläutern - mit Faszinierendem faszinieren - und dabei auch noch unterhalten. In gewisser Hinsicht sei er genau das Gegenteil vom üblichen Klischee des verschrobenen Professors. Zudem komme noch ein gewisses Understatement, da er seine Erfolge immer wieder als die Leistungen seines Teams ausgibt. Teamarbeit als Prinzip habe er vor allem in den U.S.A. gelernt und dann in Österreich beherzigt. Mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sprechen, sie von den eigenen Ideen überzeugen und all das aus ihnen herauszuholen, was ihnen zuzutrauen ist, sei Teil seines Erfolgs. Wie Herr Zeilinger Konflikte im Detail löst, konnten wir als Gruppe freilich nicht ergründen. Aber vorstellbar sei durchaus, dass er Probleme zwar bespreche, letztlich aber selbst entscheide, welche Konsequenzen daraus folgen. In den Diskussionen wurde deutlich, dass Zeilinger zwar vom idealtypischen "demokratisch-kooperativen" Führungsstil spricht, scheinbar aber oft anders handelt. Ziel- und Aufgabenorientierung hingegen scheinen durchaus hoch ausgeprägt zu sein. Der kommunikative Kontakt mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen diene, so einige Teilnehmer, jedenfalls mehr der Steuerung und sei so als Führungsstil auch nicht "sozial", "laisser-faire" oder "autoritär konservativ", wie wohl unsere Gruppe auch in diesen drei der vier Quadranten des Zuordnungsschemas sein kommunikatives Verhalten zumindest in Anteilen von je fünf bis fünfzehn Prozent zuordnet. Dass er in Sachen Kommunikation wenig dem Zufall überlässt, belegt Zeilinger für uns auch dadurch, dass er bei Vorträgen im wissenschaftlichem Milieu zielgruppengenau das Auditorium anspricht. Dass er sich um Zielgruppenansprache kümmert, beweist auch der Ausnahmeumstand, dass er als (nahezu) einziger Professor an der Universität Wien eine eigene PR-Kraft beschäftigt. Auch hier vermittelt er Understatement und will uns glauben machen, dass das ja nur dazu dient, sich die lästige Zusatzarbeit vom Hals zu halten. Aber dazu hätte er es auch so machen können, wie das noch immer viele seiner Kollegen tun: einfach nicht reagieren! Anton Zeilinger ist aber in Bezug auf Kommunikation wohl alles andere als jemand, der die Dinge schleifen lässt. Dem Zufall wird nichts überlassen!

Maximilian Schell (Schauspieler, Film-Regisseur, Musiker, USA / Österreich):

Authentisch-ambivalent:; das ist jenes Begriffspaar, mit dem ich am Ende des Workshops für mich selbst zurückbleibe. Es ist mein verbales Konzept für die Person Maximilian Schell, den wir als Gruppe gemeinsam erfahren haben. Schell ist ganz sicher ein Meister des sprachlichen Ausdrucks. Er beherrscht die Technik und die Rolle des "Schauspielers" auch auf der Bühne der Academy of Life. Immer wieder gibt er Proben davon, auch wenn es nicht um Fragen nach seinen Sprach- und Sprechkünsten geht - leider aber gerade dort nicht. Keine Tipps, keine Tricks erfährt man, außer, dass man den Atem braucht, um etwas in einem Stück voll und ganz und mit der entsprechenden Intention zur "Aufführung" bringen zu können. Fragen nach Persönlichem, nach Befindlichkeiten, nach Haltungen und anderem beantwortet Schell oftmals mit Anekdoten, sprachlichen Bildern oder mit rezitierten Textversatzstücken. Diese stehen dann stellvertretend für eine Aussage, die er anscheinend nicht selbst machen will. Sie sind wie Metaphern eine Form "uneigentlicher" Kommunikation. Man kann mit ihnen und durch sie etwas sagen, ohne es - eigentlich - selbst gesagt zu haben. In der Rolle "Person privat" bleibt Schell insgesamt still, nachdenklich und betont widersprüchlich. Er will "nicht verstanden" sein, wie er sagt. Oft sagt er mit vielen Worten wenig, geht nur scheinbar auf Fragen ein, bringt wenig auf den Punkt. Nach dem Mittagsinterview wandelt sich dieser Eindruck für uns: Persönliches wird deutlicher, besonders bei seinen Erzählungen über seine Freundschaft zu Friedrich Dürrenmatt. Oberflächlich und maskiert, bestenfalls unterhaltsam, bleibt er aber, wenn es um seine Beziehungen zu Frauen geht. Was wir von Maximilian Schell in unseren Alltag transferieren können: eigentlich und "uneigentlich" sprechen, sich gelegentlich mit Bildern, Metaphern, Geschichten, kurz: anderen Texten behelfen, mit ihnen umschreibend etwas ausdrücken, das alles aber mit Augenmaß und Vorsicht, und nicht, um sich dahinter zu verstecken. Was sich weiters lernen lässt: insgesamt tief und bewusst in die Sprache zu gehen, auf sie einzugehen, sich ihrer Tiefe bewusst zu sein, die Interaktion mit anderen auf der Beziehungsebene zu stärken; weiters: mehr mit Sprechtechnik, mit der Stimme, mit anderen nonverbalen Mitteln (wie dem Augenkontakt, der Gestik und Mimik) zu arbeiten, Menschen damit auf der Beziehungsebene "ins Boot zu holen", auf das Publikum einzugehen, sie anzusprechen, gelegentlich auch zu unterhalten - und das vor dem richtigen Bühnenbild und mit der richtigen Wahl der Partner. Vieles, zu vieles vielleicht, ist uns an Maximilian Schell wohl verborgen geblieben. Ein scheinbar leutseliger und redseliger Mensch hat recht wenig von sich erzählt, vielleicht auch als Ausdruck einer Einstellung, dass - auch in Bezug auf Erfolg - für ihn noch nichts abgeschlossen ist, noch keine "Weisheiten" zu verbreiten sind, es auch mit 71 noch etwas zu lernen gibt und gilt. Schell will, wie er ja mehrfach selbst betonte, auch weiterhin "Student", Lernender bleiben; ganz so wie wir, von der Academy of Life.

Carl Djerassi (Chemiker, "Erfinder" der Anti-Baby-Pille, Autor, USA):

Dialog zur Tarnung: "Carl Djerassi vergibt den Carl Djerassi-Preis", das nehmen die TeilnehmerInnen der Gruppe Kommunikation zum inhaltlichen Ausgangspunkt eines Rollenspiels über das kommunikative Verhalten Carl Djerassis: Was macht seinen Kommunikationsstil aus, welchen Anteil hat dieser möglicherweise an seinem Erfolg? Das Ergebnis: Was bei Carl Djerassi dialogisch anmutet, ist bei genauerem Blick mehr monologisch, ich-zentriert, klar und nüchtern in der Sache, zielorientiert, erfolgsorientiert, fordernd, einfordernd. Djerassi sagt, was er sagen will. Als Professor organisiert er Kommunikation nach Qualitätskriterien - "strikt". Er delegiert: emotionslos, selbstzufrieden und vielleicht ein wenig arrogant. Auf jeden Fall doziert er im Monolog, den er als Dialog tarnt. Das von den TeilnehmerInnen gewählte Thema des Rollenspiels zeigt einen von sich selbst und seinem Vorhaben überzeugten Menschen, der auch nicht zögert, einen potentiellen Preisträger nach seinen individuellen Werten zu messen. Auf die Frage aus unserer Gruppe "Ist Ihre dialogische Arbeit als Schriftsteller nicht ein weiterer Monolog?", antwortet Djerassi: "Ja, eine Form von Autopsychoanalyse ... ich wollte aber auch wirkliche Dialoge mit den Lesern ... Theaterstücke sind da besser ... und am besten ist dann der direkte Dialog, über die Homepage und via Mail, da weiß man nicht, wer die Leser genau sind, und wenn blöde Fragen kommen, drücke ich einfach ,Delete'". Eine Art Dialog, den Djerassi aber sicher eingeht, ist der mit den Zahlenkolonnen der Absatzzahlen seiner Bücher und der verkauften Eintrittskarten der Theateraufführungen seiner Stücke. Denn daran lässt sich die Zielerreichung messen. Djerassi ist jedenfalls "enthusiastisch" an der Arbeit, und damit erreicht er auch viel, ganz offensichtlich. Die Beziehungsgestaltung ist vielleicht auch hier für den Erfolg nicht immer (so) wesentlich, wenn man das Handwerk versteht und wenn das System es zulässt.

Andrea Jonasson (Schauspielerin, Italien):

Mit Offenheit, Begeisterung und menschlicher Wärme Menschen "ansprechen": Was an kommunikativem Verhalten, was am Verhalten überhaupt wichtig sei, wenn man erstmals mit jemandem in Kontakt trete, war eine Frage eines Departmentleiters an Jonasson: Der erste Eindruck müsse stimmen, das Organ einer Stimme sei wichtig, wie sieht jemand einen an, weniger wichtig ist, was er sagt; wichtiger sei das Organ, die Gestik, die Stimme. „Ich liebe Menschen, ich möchte Menschen gegenüber haben, die lieben .... Ein offenes Herz ist wichtig. Man kommt viel weiter, wenn man offen ist ... deshalb mag ich den Peter (Dusek) so ...“
Jonasson beginnt das Interview mit Peter Dusek, in dem sie sich umsetzt. “Auf die richtige Seite .., das sage sie auch den Journalisten bei Interviews immer“. Das Gespräch mit unserem Chairman wird schnell „warm“. Jonasson berührt lachend den Interviewer an der Hand, später gibt es gar eine Streicheleinheit auf seine Wange.  Ihr Blick ist offen, sie lächelt viel, es scheint als suche sie tiefen Kontakt, auch mit dem großen Auditorium. Das Auditorium scheint wie gefangen von ihrer Ausstrahlung, ist mucksmäuschenstill. Starke Emotionen sind spürbar. Ihre Gestik ist bewegt, ein wenig italienisch betont, fein allerdings, nicht aufgesetzt wirkend. Die Stimme ruhig, voll, warm und natürlich tief ... die Jonasson-Stimme eben. Die direkten Kontakte sind nicht nur auffällig, sondern auch relativ häufig. Aber der Interviewer spielt ja mit ..., wetzt ein wenig jungenhaft am Stuhl, wirft den Kopf beim Lachen, greift Jonasson sanft an die Hand. Der Gesamteindruck von Andrea Jonasson, kommunikativ gesehen: sehr offen, auch in den Inhalten, sehr warm und emotional, sehr nahe an uns ...
Ich konstatiere diesen Eindruck Ihr gegenüber und ergänze die eingangs schon gestellte  Frage um einen Aspekt: Glauben Sie dass dieses Ihr Verhalten, diese Offenheit und Wärme, diese Emotionalität, die ja eher dem Rollenklischee von Frauen in der Gesellschaft entspricht, dass das auch für den Erfolg von Männern im sogenannten harten Business gut sein kann? „Ich mache das nicht bewusst, ich bin so ... ob das was bringt, kann ich nicht sagen. Dass ich hier so bin, im Interview, ja, ich mag ja Männer wahnsinnig gerne ...“.
Was die Gruppe diskutiert und was die einzelnen Teilnehmer des Departments schlussendlich – nicht nur in Bezug auf Kommunikation - für sich mitnehmen?:
„Offenheit kann integrieren und Menschen zum Zuhören bewegen ...“, wie es eine Teilnehmerin ausformuliert. Sympathiegewinn in Gesprächen durch Blickkontakt und Lächeln, viel Offenheit im Gespräch, authentisch sein, ja, das scheint zielführend;  aber Jonassons Understatement, ihr offen vermitteltes Lebens-Leiden, ihre sichtbare Verletzlichkeit, Fragilität vielleicht,  ist wohl im Leben (zumal im Berufsleben) nicht immer zielführend (das sei vielleicht aber auch geschlechtsabhängig). Ihr Stärke, trotz zahlreichen Widerständen, beim eingeschlagenen Weg zu bleiben, imponiert, ihre Durchhaltekraft, Schwierigkeiten zu überwinden, nicht aufzugeben, ihre Beharrlichkeit scheint eine ihrer Stärken zu sein. Wichtig scheint auch, dass sie ihren Beruf wirklich lebt, dass sie das, was sie tut, wirklich gerne macht, es angestrebt hat und gut sein will. Und wohl deshalb auch gut ist.
Was viele ganz allgemein mit vorsichtiger Distanz wahrnehmen und thematisieren, ist ihre scheinbar selbst gewählte starke Abhängigkeit zum starken Lebenspartner Giorgio Strehler .. sogar über seinen Tod hinaus. 

Andreas Hacker (österreichischer Top-Manager bei McDonalds in den USA):

Perfektes Entertainment für fun-fun-fun!: Das scheint Anspruch und Wirklichkeit beim Kommunikationsprofi Andreas Hacker zu sein. Kommunikation, Marketing und PR zählen - wie er sagt - ohnedies zu seinen besonderen beruflichen Passionen, was ihm die Sache erleichtere. Das Prinzip Spaß und "Fun" an und für Arbeit und das Unternehmen, könne er hier - als der "Hacker", wie er sich selbst gerne nennt und nennen läßt - auch persönlich ganz gut umsetzen. "Entertainer und Motivator der Mitarbeiter" zu sein, "Emotionen" als wichtige Fähren und Instrumente für Wirtschaftliches und Menschliches ernst nehmen, dieses Selbstbild bzw. diese vorgegebenen Ansprüche an sich und die Arbeit, das konnte man nicht nur in den Äußerungen von Andreas Hacker bei der AoL hören, sondern, man kann das - scheinbar perfekt entertaint und deshalb bei Vermittlern und Zielpublikum zielgenau angekommen - , auch als "Stehsätze" in vielen unterschiedlichen Presseartikeln wiederfinden. Dass die Botschaften "Hackers" ankommen und dass sie zudem vom Rezipienten auch als authentisch angenommen werden, scheint sich hier erstmals beispielhaft in einer bestimmten Situation (dem perfekten PR-Event?) abzuzeichnen. Der Eindruck, den der McDonalds-Manager "Hacker" dann bei der AOL, bei den Studentinnen und Studenten des Departments für Kommunikation, mehr oder weniger einhellig, hinterlässt, dass er nämlich eine "perfekte Performance" zeigt, bestätigt diesen ersten Eindruck; eindrucksvoll! Er habe eine positive Grundeinstellung, sei positiv motiviert und zielstrebig, motiviere in diesem Sinne scheinbar auch seine Mitarbeiter und er verstehe Probleme als Chancen, gehe aktiv auf sie zu. Genau so, wie er scheinbar aktiv auf seine Mitarbeiter und Vorgesetzten zugehe. Probleme ansprechen, scheint ihm hier ebenso wichtig, wie gelegentlich aktiv die Grenzen eingefahrener Überzeugungen und Standesdünkel auch und besonders bei Vorgesetzten anzusprechen. um sie so möglicherweise auch im Sinne der Sache zu überwinden. Ein "Kommunikationstalent" sei er; analysiere Situationen aktiv und reagiere - angemessen - flexibel. Das hat Methode, sagt "Hacker" selbst: Selbstgespräche als Rollenspiele für kommende kommunikative Anforderungen sei sein Training; die Schulung kommunikativer Fertig- und Fähigkeiten - auch durch professionelle Trainings - an sich wichtig. Zudem sei Zielorientierung sehr wichtig. Man müsse wissen, was man eigentlich erreichen wolle. "Wer keine Ziele hat, hat viele Wege ...", zu viele möglicherweise, um erfolgreich zu sein. Sehr viele (kommunikative) Tugenden und Kriterien eines Erfolges, fast zu perfekt: Da konnte dann natürlich die Frage nicht ausbleiben, ob "Hacker" nicht bloß das personifizierte und perfekt inszenierte Image des Erfolgs-Unternehmens McDonalds selbst sei. Über jemanden, der seine Berufskarriere von der "Lehrzeit" bis zur Chefetage nun schon etwas mehr als 20 Jahre lang in einem Unternehmen verbracht hat, sicher keine ganz abwegige Skepsis. Er wird wohl ein wenig tatsächlich Mister McDonalds-Österreich (und Osteuropa) sein; und es erschien uns nicht undenkbar, dass ihm genau das mehr Ehre als ein persönliches Problem sein dürfte. "Hacker" den hochrangigen und erfolgreichen McDonalds-Manager haben viele aus unserer AOL-Gruppe deutlich in vielen Facetten seines beruflichen Erfolgs gesehen und viel Positives oder Interessantes mit nachhause bzw. besser gesagt, mit ins eigene Berufsleben genommen. Ob wir auch etwas von Andreas Hacker, dem Privat-Menschen gesehen haben, blieb trotz einem auch in diesen Belangen kommunikativen "Hacker" trotzdem eher fraglich. Aber vielleicht liegt das ja daran, dass Andreas Hacker vielleicht an sich mehr "Hacker" ist und doch weniger Andreas, und vielleicht ist gerade das ein wesentlicher Teil seines (beruflichen) Erfolgs. In unserer Gruppe jedenfalls wünschten viele für sich, doch - hoffentlich - beides auf dem eigenen Karriereweg verbinden zu können ...

Harriet Rubin (Erfolgs-Autorin, "Machiavelli für Frauen", USA):

Vom Männerverhalten Frauenstrategien lernen: Harriete Rubin war in einer Männerwelt auf Grund männlicher Taktiken erfolgreich. Ihr Buch "Machiavelli für Frauen" wurde von einigen StudentInnen als eine Art Bewältigung dieser Tatsache interpretiert, und sei eigentlich eher ein schriftlich fixierter persönlicher Wunschtraum, wie man es mit weiblichen Mitteln auch hätte schaffen können. Zwischen Buch und Person herrschte für viele eine offensichtliche Diskrepanz. Ein Großteil der StudentInnen hielten das Buch für eine Ansammlung bereits bekannter "Weisheiten", der Erfolg des Buches war für viele schlicht ein Ergebnis einer perfekten Vermarktung und Promotion. Erfolg habe Rubin vor allen Dingen durch eine perfekt durchgehaltene Persönlichkeits-PR bewiesen. Die Diskussionen zeigten, dass sowohl das Buch als auch die Beschäftigung mit Rubin keine Antworten für jene Frauen gaben, die nicht nur eine Karriere anstreben, sondern Karriere mit Kindern in Einklang bringen möchten. Ein wichtiges positives Ergebnis war aber für viele Studentinnen, dass man die Taktiken der Männer aufmerksamer studieren müsse, um im Bedarfsfall gewappnet zu sein. Rubins Strategien seien letztlich, ganz wie jene ihres Vorbilds Machiavelli, nicht ethisch, sondern rein pragmatisch: Nutze Waffen und Mittel immer dann strategisch, wenn sie Erfolg versprechen. Dabei ist das Moment der Überraschung, des überraschenden Aufbrechens von klassischen Erfolgsregeln der Männerwelt, für den weiblichen Erfolg zentral: So kann frau etwa mit scheinbar typischen, zumeist als typisch weiblich bewerteten und oft auch abgewerteten Verhaltensweisen, wie etwa "Weinen", in Männerwelten erfolgreich sein, wenn sie diese im Zusammenspiel mit anderen, teilweise auch typisch männlichen, Strategien zur Verfolgung mittel- und längerfristiger Ziele nutzt. Sich nicht zu hundert Prozent den Männerwelten anpassen, sondern mit weiblichen Waffen gelegentlich gezielt überraschen, wenn es nützt, so könnte man pointiert eine zentrale Strategie für Erfolg nach Rubin beschreiben.